Aktivistin spendet umstrittene Gedichte von Kulturminister Weimer an Nationalbibliothek
Gabor HethurAktivistin spendet umstrittene Gedichte von Kulturminister Weimer an Nationalbibliothek
Die Aktivistin Martha Root hat eine frühe Gedichtsammlung des Kulturministers Wolfram Weimer an die Deutsche Nationalbibliothek gespendet. Der 1986 im Selbstverlag erschienene Band Kopfpilz enthält umstrittene Gedichte, die kürzlich wieder in den Fokus gerückt sind. Roots Spende im Mai 2023 hat die Debatte über Weimers frühes Werk und dessen Bedeutung für seine heutige Amtsführung neu entfacht.
Wolfram Weimer verfasste Kopfpilz im Alter von 22 Jahren. Die Sammlung umfasst Gedichte wie Vorfreude und Unglück, die später im ZDF Magazin Royal wegen ihres derben und geschmacklosen Inhalts thematisiert wurden. Jahrzehnte später sorgen die Texte erneut für Aufsehen.
Root beschaffte sich ein Exemplar des Buches und sorgte dafür, dass es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wurde. Im Dezember 2022 infiltrierte sie während des Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform White Date. Anschließend digitalisierte sie Kopfpilz und stellte die Sammlung auf Archive.org zum kostenlosen Download bereit.
Im Mai 2023 übergab Root ein physisches Exemplar der Sammlung an die Deutsche Nationalbibliothek, wo es später katalogisiert wurde. Zudem kündigte sie an, ein weiteres Exemplar versteigern zu wollen, um Spenden für Lesen Hilft zu sammeln – eine Initiative zur Unterstützung linker Buchhandlungen. Root kritisiert, dass Weimers Weigerung, sich zu seinen frühen Texten zu äußern, für einen Kulturminister problematisch sei.
Das Ministerium Weimers bezeichnete die Entscheidung, den Ausbau der Bibliothek vorerst zu stoppen, inzwischen als „Moratorium“. Offizielle Vertreter begründeten dies damit, dass physische Mediensammlungen im digitalen Zeitalter überholt seien.
Durch Roots Spende bleibt Weimers frühes Werk der Öffentlichkeit zugänglich. Ihre Aktion hat eine Diskussion über Verantwortung im öffentlichen Amt erzwungen. Die Gedichte des Ministers sind nun Teil des nationalen Gedächtnisses – sowohl physisch als auch online einsehbar.






