07 April 2026, 22:35

Apothekenreform spaltet Politik: Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben

Ein Plakat, auf dem steht, dass Big Pharma in 2022 Amerikanerinnen und Amerikanern zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie in anderen Ländern, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze darunter.

Apothekenreform spaltet Politik: Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben

Wachsende Streitigkeiten um die Apothekenreform spalten Politik und Wirtschaft

Die geplante Apothekenreform in Deutschland hat eine wachsende Kontroverse ausgelöst: Politiker und Branchenvertreter stellen sich gegen die Regierungspläne. Kritiker warnen, dass die vorgeschlagenen Änderungen – darunter die Erlaubnis für Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA), Apotheken eigenständig zu führen – lokale Versorgungsstrukturen gefährden und zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen führen könnten. Führende Stimmen fordern nun dringend Nachbesserungen, um traditionelle Apotheken zu schützen und faire Regeln für alle Anbieter durchzusetzen.

Im Mittelpunkt der Debatte stehen zwei zentrale Probleme: die finanzielle Belastung lokaler Apotheken und die Ungleichbehandlung zwischen Online-Händlern und stationären Apotheken. Bernd Stocker, Regionalverkaufsleiter des Pharma-Großhändlers Noweda, betont, dass viele Apotheken mit existenziellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpften. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft jüngerer Generationen, diese Betriebe zu übernehmen – besonders in ländlichen Regionen, wo das Angebot ohnehin schon dünn ist.

Carolina Trautner, Apothekerin und Mitglied im Gesundheitsausschuss des bayerischen Landtags, warnt vor einer Aushöhlung der Zuverlässigkeit von Apotheken. Gemeinsam mit Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischem Sprecher der CSU, lehnt sie die Pläne ab, PTA die Leitung von Apotheken ohne anwesenden Apotheker zu ermöglichen. Beide argumentieren, dass eine solche Regelung den Druck durch Online-Konkurrenten weiter verschärfen würde – diese profitierten bereits von weniger strengen Auflagen.

Seidenath fordert schärfere Regularien und ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Zudem müssten Online- und Präsenzapotheken dieselben Standards erfüllen, etwa bei der Kühlkette und der Dokumentation. Ein weiterer Streitpunkt ist die ausstehende Erhöhung der Festzuschläge um 9,50 Euro, die zwar im Koalitionsvertrag vereinbart, in der aktuellen Reform aber nicht umgesetzt wurde. Seidenath hält diese Anpassung für unverzichtbar, um die Existenz lokaler Apotheken zu sichern und die flächendeckende Arzneimittelversorgung zu gewährleisten.

Gegner der Reform warnen, dass ohne diese Korrekturen weitere Apotheken schließen müssten – mit gravierenden Folgen für die Gesundheitsversorgung, insbesondere in strukturschwachen Regionen.

Die Zukunft der Apothekenreform bleibt damit ungewiss. Politiker und Branchenvertreter sind sich einig: Es braucht dringend Nachbesserungen. Eine Erhöhung der Festzuschläge, strengere Regeln für den Online-Handel und klarere Betriebsstandards zählen zu den zentralen Forderungen. Ohne diese Änderungen steht vor allem die Zukunft vieler Landapotheken auf dem Spiel.

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