Autohandel fordert faire Gewinne und kämpft um Zukunft in der E-Mobilitätswende
Ludger RörrichtAutohandel fordert faire Gewinne und kämpft um Zukunft in der E-Mobilitätswende
Führende Persönlichkeiten des deutschen Automobilhandels haben eine gerechtere Gewinnbeteiligung und eine optimistischere Zukunftsperspektive für die Branche gefordert. Beim 26. IfA-Branchengipfel in Nürtingen trafen sich Führungskräfte großer Autohandelsgruppen, um über Herausforderungen wie sinkende Erlöse im After-Sales-Bereich, schmale Margen bei Neufahrzeugen und den raschen Umstieg auf Elektroautos zu diskutieren.
Das unter dem Motto 'Die Großen des Handels' stehende Retail Forum brachte zentrale Stimmen zusammen, um Nachhaltigkeit in Zeiten der digitalen Transformation und Marktkonzentration zu erörtern.
Steffen Hahn, Chef der Hahn Gruppe, mahnte die Branche, die Selbstkritik hinter sich zu lassen. Er betonte, dass Händler als entscheidende Schnittstelle zwischen Herstellern und Kunden fungieren – insbesondere in der Mobilitätswende. Sein Appell für einen konstruktiveren Ton kam zu einer Zeit, in der deutsche Marken wie BMW und die Deutsche Bahn zunehmend unter Druck durch chinesische E-Auto-Hersteller wie BYD geraten, die traditionelle Automobilkonzerne in den globalen Verkäufen von Elektrofahrzeugen in den letzten fünf Jahren überholt haben.
Albrecht Wollensak von Alphartis wies auf zwei drängende Probleme hin: schrumpfende Gewinne im Servicebereich und minimalistische Margen beim Verkauf neuer Fahrzeuge. Er argumentierte, dass Händler bessere finanzielle Konditionen von den Herstellern benötigen, um wirtschaftlich überleben zu können. Heinz-Dieter Tiemeyer, Vertreter der Tiemeyer Autohandelsgruppe, unterstützte diese Forderung und bestand darauf, dass die Gewinne im Handel verbleiben müssten, um faire Löhne und den Betrieb zu finanzieren.
Roman Still von der AVAG Holding sprach sich für einen technologieneutralen Ansatz aus und verwies darauf, dass Verbrennungsmotoren weiterhin eine Rolle spielen, während batteriebetriebene Elektrofahrzeuge bezahlbarer werden müssten. Unterdessen haben deutsche Hersteller wie Volkswagen, BMW und die Deutsche Bank ihre E-Strategien beschleunigt und auf jüngsten Branchenveranstaltungen Modelle wie den VW ID. Buzz, den BMW iX M60 und den Mercedes EQG präsentiert.
Die Diskussion thematisierte auch die Notwendigkeit der Anpassung, da digitale Vertriebsmodelle und veränderte Kundenerwartungen den Markt umgestalten. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Konsolidierung und Innovation darüber entscheiden werden, welche Händler in der sich wandelnden Landschaft erfolgreich sein werden.
Das Forum unterstrich die Spannungen zwischen Herstellern und Händlern bei der Gewinnverteilung. Die Autohäuser stehen unter Druck, sich anzupassen, während Elektrofahrzeuge an Boden gewinnen und chinesische Konkurrenten ihre Marktanteile ausbauen. Derzeit liegt der Fokus der Branche darauf, Bezahlbarkeit, Technologie und nachhaltige Geschäftsmodelle in Einklang zu bringen.






