Bayerische Städte tauschen Ampelmännchen gegen lokale Kultfiguren aus – doch die Kritik wächst
Verena KramerWenn es grün ist, hopse weiter - spezielle Ampelmotive im Aufwind - Bayerische Städte tauschen Ampelmännchen gegen lokale Kultfiguren aus – doch die Kritik wächst
Bayerische Städte ersetzen klassische Ampelmännchen durch kreative lokale Motive
Von Nürnbergs "Feldhasen" bis zur knödelwerfenden Frau in Deggendorf – immer mehr Kommunen in Bayern tauschen die standardisierten Fußgängerampeln gegen regionale Figuren aus, um Heimatstolz zu zeigen. Doch der Trend sorgt für Diskussionen über Verkehrssicherheit und rechtliche Verantwortung.
Nürnberg machte im Februar 2026 den Anfang und installierte eine Ampel mit Albrecht Dürers "Feldhasen". Die Stadt holte sich keine Genehmigung der Landesregierung ein, mit der Begründung, dass Kommunen allein für Ampelanlagen – und mögliche daraus resultierende Unfälle – zuständig seien. Oberbürgermeister Marcus König betonte, die Haftung liege stets bei der Person, die den Unfall verursache, unabhängig vom Design.
Andere bayerische Städte zogen schnell nach: Hof führte den "Wärschtlamo", einen lokalen Würstchenverkäufer, ein – zunächst abgelehnt wegen Bedenken zur Verkehrssicherheit, später doch umgesetzt, nachdem die SPD-Fraktion die 3.000 Euro übernahm. Dachaus traditionelle "Tracht"-Figuren wurden von Bürgern per Crowdfunding finanziert, die Stadt gab 300 Euro für Schablonen und Gestaltung aus. Augsburgs "Kasperl" benötigte eine Sondergenehmigung der Regierung von Schwaben.
Der Trend beschränkt sich nicht auf Bayern: Mindestens sieben weitere deutsche Städte setzen auf regionale Motive, darunter Saarbrückens "Saarlodri", Triers Karl Marx und – ab 2026 – Hamburgs "Ernie und Bert". Mainz nutzt bereits seit 2016 seine "Mainzelmännchen", Solingen die "Liewerfrau".
Doch nicht alle sind begeistert. Das bayerische Innenministerium lehnt es ab, Ampeln für lokale Eigenheiten oder politische Botschaften zu nutzen, und pocht auf klare, standardisierte Designs. Die Regionalregierungen prüfen jeden Einzelfall und müssen zwischen bundesweiten Sicherheitsvorgaben und kommunaler Kreativität abwägen.
Die neuen Ampelfiguren unterstreichen zwar die kulturelle Identität, werfen aber auch regulatorische Fragen auf. Städte wie Nürnberg und Hof setzen auf Eigeninitiative, lokale Finanzierung und juristische Argumente. Die Debatte zwischen Landesbehörden und Kommunen über Sicherheit, Kosten und Tradition bleibt vorerst ungelöst.






