Biennale Venedig 2025 startet unter Boykott-Debatten und neuem Abstimmungssystem
Ludger RörrichtBiennale Venedig 2025 startet unter Boykott-Debatten und neuem Abstimmungssystem
Die Biennale Venedig 2025 hat unter dem Motto In Moll-Tönen eröffnet, kuratiert von Koyo Kouoh. Die diesjährige Ausgabe präsentiert 100 nationale Pavillons und 111 teilnehmende Künstler:innen sowie 31 Begleitausstellungen. Doch die Kontroverse um den Boykott Israels und Russlands für die Ausgabe 2026, den die internationale Jury bekannt gab, überschattet das Festival.
Der Boykott folgt Vorwürfen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und löste heftige Reaktionen bei Organisator:innen und Künstler:innen aus. Die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung lehnten den Boykott ab, woraufhin alle Jurymitglieder zurücktraten. In der Folge wurden die Verleihungen der Goldenen Löwen verschoben. Stattdessen wurde ein neues öffentlichkeitsbasiertes Abstimmungssystem namens Besucher-Löwen eingeführt.
Israels Beitrag, Rose des Nichts, wird von Michael Gov gemeinsam mit Avital Bar-Shay und Sorin Heller kuratiert. Russlands Pavillon zeigt unterdessen Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel, kuratiert von Anastasiia Karneeva. Beide Nationen stehen wegen ihrer Teilnahme in der Kritik.
Portugals Vertreter Alexandre Estrela positionierte sich öffentlich gegen die Beteiligung Russlands und Israels. Sein Projekt RedSkyFalls ist im Palazzo Fondaco Marcello zu sehen. Die lusophone Welt ist zudem durch Brasilien und Osttimor vertreten.
Die Biennale läuft noch bis zum 22. November 2025 mit Ausstellungen in Venedigs historischen wie zeitgenössischen Räumen. Trotz des Jury-Boykotts und der Verschiebung der traditionellen Preise findet das Festival statt – nun mit einem neuen System, das Besucher:innen über die Auszeichnungen mitbestimmen lässt. Die Biennale bleibt ein bedeutendes kulturelles Ereignis, doch die Debatten über politische Teilhabe halten an.






