Blutdruckmittel Nitrendipin bleibt in Deutschland knapp – wann gibt es Besserung?
Hans-Jürgen PeukertBlutdruckmittel Nitrendipin bleibt in Deutschland knapp – wann gibt es Besserung?
Engpässe bei Nitrendipin: Blutdruckmedikament bleibt in Deutschland Mangelware
Seit dem letzten Sommer hält in Deutschland die Knappheit an Nitrendipin an, einem weit verbreiteten Blutdruckmittel. Das Präparat gehört zu mehreren älteren Medikamenten, die von Lieferengpässen betroffen sind – zur Verunsicherung von Patienten und Ärzten, die nach Alternativen suchen müssen. Die Behörden haben das Mittel inzwischen auf der Liste der gemeldeten Arzneimittelknappheiten in Deutschland geführt.
Nitrendipin zählt zur Gruppe der Kalziumantagonisten, auch Kalziumkanalblocker genannt. Diese Wirkstoffe verhindern, dass Kalzium in die Zellen eindringt, wodurch sich die Arterien entspannen und der Blutdruck gesenkt wird. Allerdings sind sie nicht für jeden Patienten geeignet: Menschen mit Herzinsuffizienz oder solche, die sich von einem kürzlichen Herzinfarkt erholen, müssen sie meiden.
Betroffen von der aktuellen Knappheit sind sowohl die 10-Milligramm- als auch die 20-Milligramm-Dosierungen. Der Hersteller Aristo bestätigte Produktionsprobleme, weshalb die 20-mg-Variante frühestens Ende 2023 wieder verfügbar sein wird. Andere Unternehmen wie Ratiopharm und Aliud Pharma rechnen damit, ihre Lieferungen bis Ende März wiederaufnehmen zu können. Bei AbZ hingegen werden voraussichtlich erst Ende Mai wieder Lieferungen möglich sein.
Kalziumantagonisten lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen: den Nifedipin-Typ, den Verapamil-Typ und den Diltiazem-Typ. Nitrendipin gehört zur Nifedipin-Klasse. Im Gegensatz zu einigen Alternativen muss es nach den Mahlzeiten eingenommen werden, während Lercanidipin vor dem Essen und Amlodipin unabhängig von den Mahlzeiten verwendet werden kann. Die Engpässe verdeutlichen die größeren Herausforderungen in der Lieferkette, von denen vor allem ältere, etablierte Medikamente betroffen sind.
Patienten, die auf Nitrendipin angewiesen sind, müssen möglicherweise vorübergehend auf andere Behandlungen umsteigen. Einige Hersteller planen, die Versorgung in den kommenden Monaten wiederherzustellen, doch Verzögerungen könnten sich bis Ende 2023 hinziehen. Die anhaltende Knappheit belastet ein ohnehin schon angespanntes System der Arzneimittelverfügbarkeit in Deutschland zusätzlich.






