Deutsche Flaggen in NRW: Weidel teilt falsche Informationen ├╝ber Staatsschutz-Ermittlungen
Verena KramerDeutsche Flaggen in NRW: Weidel teilt falsche Informationen ├╝ber Staatsschutz-Ermittlungen
Deutsche Flaggen in NRW: Weidel verbreitet falsche Angaben zu Ermittlungen des Staatsschutzes
Teaser: Laut Weltwoche und einigen AfD-Politikern ermittelt der Staatsschutz in Nordrhein-Westfalen wegen deutscher Flaggen. Wir erklären, warum das nicht stimmt.
Veröffentlichungsdatum: 21. November 2025, 13:26 Uhr
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Eine aktuelle Welle des Zeigens deutscher Flaggen hat für Diskussionen gesorgt, nachdem rechtsextreme Gruppen eine koordinierte Kampagne vorangetrieben haben. Die Initiative, die unter den Hashtags #HißtDieFlagge und #FlaggenAktion bekannt wurde, gewann an Fahrt, nachdem AfD-Chefin Alice Weidel dazu aufgerufen hatte. Gleichzeitig reagierten Behörden in zwei Städten Nordrhein-Westfalens unterschiedlich auf Vorfälle im Zusammenhang mit den Flaggen.
Die Kampagne begann, als Weidel bei einer öffentlichen Veranstaltung in Donaueschingen (Baden-Württemberg) ihre Anhänger aufforderte, „die deutschen Flaggen aufzuhängen“. Ein Videoausschnitt ihrer Rede verbreitete sich rasant im Netz, sammelte auf Instagram über 100.000 Likes und wurde unter #HißtDieFlagge geteilt. Rechtsextreme Akteure wie der Aktivist Martin Sellner unterstützten den Aufruf, verbanden ihn mit einer ursprünglich britischen Bewegung (#RaiseTheColours) und riefen zur Teilnahme am 15. August auf – ein Datum mit symbolischer Bedeutung für nationalistische Kreise.
In Nachrodt-Wiblingwerde leitete der Staatsschutz Ermittlungen ein, nachdem auf Privatgrundstücken ohne Zustimmung der Eigentümer deutsche Flaggen gehisst worden waren. Im Fokus steht jedoch nicht die Flaggenzeigung selbst, sondern der Verdacht des Hausfriedensbruchs. In Hilchenbach hingegen bestätigten die Behörden, dass es trotz einer Meldung an den Staatsschutz keine Ermittlungen zu einem ähnlichen Vorfall gebe. Das Schweizer Magazin Weltwoche berichtete unterdessen, in Nordrhein-Westfalen hätten deutsche Flaggen die Aufmerksamkeit des Staatsschutzes erregt. AfD-Politiker, darunter Weidel, teilten den Artikel auf X (ehemals Twitter) und verstärkten damit die Behauptung einer angeblichen staatlichen Repression. Doch die Behörden stellten klar: Das Zeigen einer nicht verbotenen Flagge ist in Deutschland grundsätzlich legal – sofern keine weiteren Straftatbestände erfüllt sind.
Die Hashtags #HißtDieFlagge und #FlaggenAktion werden inzwischen von rechtsextremen Netzwerken genutzt, von der Identitären Bewegung bis hin zu neonazistischen Gruppen. Diese deuten die Aktion als Protest gegen Migration und Globalisierung. Die Behörden betonten, dass es weder in Nachrodt-Wiblingwerde noch in Hilchenbach primär um die Flaggen gehe. Die Kampagne verbreitet sich unterdessen weiter in deutschsprachigen Regionen, unterstützt von einer Mischung aus extremistischen Gruppierungen und Online-Aktivisten. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass das Hissen der deutschen Flagge rechtmäßig bleibt – solange es nicht mit strafbaren Handlungen verbunden ist.