22 December 2025, 02:14

ERP-Systeme: Wenn Software den täglichen Arbeitsalltag bestimmt

Ein Arbeitsplatz mit Maschinen, Kabeln, einem Computerbildschirm, einem Stiftbehälter, Menschen und einem Stressball.

ERP-Systeme: Wenn Software den täglichen Arbeitsalltag bestimmt

ERP-Systeme: Wenn Software den Arbeitsalltag bestimmt

Teaser: ERP-Software plant Schichten, überwacht jeden Arbeitsschritt und verhindert den Abbau von Überstunden – die Digitalisierung verändert Fabriken radikal.

26. November 2025

Stichworte: Wirtschaft, Künstliche Intelligenz, Technologie, Arbeit

Artikel: Unternehmen in ganz Deutschland setzen auf neue Technologien, um Abläufe zu optimieren und Kosten zu senken. Von KI-gestützten Qualitätskontrollen bis hin zu fortschrittlicher Planungssoftware verändern Firmen grundlegend, wie Arbeit organisiert wird. Doch diese Entwicklungen werfen auch Fragen auf – etwa zur Jobsecurity, Arbeitszeiten und dem Wohlbefinden der Beschäftigten.

Gewerkschaften fordern angesichts der zunehmenden Automatisierung strengere Kontrollen.

Großunternehmen wie World Vision Deutschland, der ACV Automobil-Club Verkehr und BMW nutzen bereits KI und ERP-Systeme, um ihre Effizienz zu steigern. Bei BMW prüfen KI-gesteuerte Kameras Bauteile präziser als menschliche Mitarbeiter. Die Systeme erkennen Fehler schneller und reduzieren Produktionsfehler in den Fertigungsstraßen.

Andere Firmen wie die ARTS Group oder BEPRO Blech haben ERP-Plattformen wie Dynamics 365 oder Odoo eingeführt. Diese Tools automatisieren Aufgaben und verringern den manuellen Aufwand in Bereichen wie Personalwesen und Projektmanagement um bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig erfassen sie die Leistung der Mitarbeiter – etwa über Systeme wie „Pick by Voice“ – und passen Schichtpläne in Echtzeit an die Nachfrage an. Zwar steigt dadurch die Produktivität, doch für viele Beschäftigte bedeutet das längere Arbeitszeiten und ständige Erreichbarkeit. Arbeitszeitkonten, die Überstunden eigentlich durch Freizeit ausgleichen sollen, lassen sich oft nicht wie vorgesehen abbauen. Gleichzeitig reduziert die Fähigkeit von KI, Code zu generieren, den Bedarf an Junior-Entwicklern: Microsoft berichtet, dass in einigen Projekten bereits 30 Prozent des Codes von KI stammen. Auch Routinejobs in Verwaltung, Kundenservice und einfacher Programmierung fallen zunehmend weg.

Trotz der gesetzlichen Verpflichtung zu regelmäßigen Arbeitsplatzkontrollen nach dem Arbeitsschutzgesetz verzichtet jedes dritte Unternehmen auf die vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilungen. Gewerkschaften fordern nun häufigere Überprüfungen, um mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt zu halten.

Die Automatisierungsoffensive verändert Branchen, senkt Kosten und beschleunigt die Produktion. Doch sie bringt auch Herausforderungen mit sich: weniger Einstiegsjobs, ausgedehnte Arbeitszeiten und lückenlose Überwachung.

Während Gewerkschaften schärfere Regeln anmahnen, könnten Unternehmen bald mit strengeren Vorgaben für den Einsatz dieser Technologien konfrontiert werden.