03 January 2026, 08:44

Fair Mouse wechselt die Hand – doch bleibt sie wirklich fair?

Mehrere Männer sitzen um einen Tisch mit einem Laptop, einer Maus auf einem Pad und einem angeschlossenen Kabel, alles leicht unscharf im Hintergrund.

Fair Mouse wechselt die Hand – doch bleibt sie wirklich fair?

Die 'Fair Mouse' – ein seltenes Beispiel für ethisch produzierte Elektronik – wechselt die Hand. Susanne Jordan, die die Maus entwickelt und 2012 das Unternehmen Nager IT gegründet hat, übergibt die Verantwortung an den Verein Fair IT yourself. Der Wechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Projekt wächst und sich stärker auf Advocacy-Arbeit und Expansion konzentrieren will.

Doch es gibt Kritik an der Produktion der Maus. Sie wird in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung montiert, wo die niedrigen Löhne eine Debatte über Arbeitsrechte entfacht haben.

Susanne Jordan schuf die Fair Mouse als Alternative zu Elektronikprodukten, die mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht werden. Das Projekt orientiert sich an den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und strebt eine ausbeutungsfreie Produktion an. Unter Nager IT etablierte sich die Maus als eines der wenigen ethisch hergestellten Technikprodukte auf dem Markt.

Nun übernimmt der Verein Fair IT yourself die Führung. Das neue Team plant, die Produktion auszubauen und neben der klassischen Maus auch vertikale und ergonomische Modelle sowie weitere faire Elektronikartikel anzubieten. Zudem sollen Marketing und Vertrieb stärker in den Fokus rücken. Um die Übernahme in Höhe von 80.000 Euro zu finanzieren, hat der Verein eine Kampagne gestartet. Ziel ist es, bis Jahresende 3.000 Fair Mice zu verkaufen. Darüber hinaus sollen die Konstruktionsdaten der Maus unter einer Open-Source-Lizenz auf der Plattform Codeberg veröffentlicht werden, um die Zusammenarbeit mit der Community zu fördern.

Doch das Projekt steht in der Kritik. Die Maus wird in einer Werkstatt montiert, in der Beschäftigte mit Behinderung im Schnitt nur 232 Euro pro Monat verdienen. Die meisten sind auf Sozialleistungen angewiesen – das wirft Fragen auf, ob die Produktion tatsächlich faire Arbeitsstandards erfüllt. Innerhalb der Tech-Community gibt es Vorbehalte gegen diese Bedingungen; die Ethik des Herstellungsprozesses wird infrage gestellt.

Die Fair Mouse wird unter neuer Leitung weitergeführt, mit Plänen zur Erweiterung der Produktpalette und zur Open-Source-Entwicklung. Die Übernahmekampagne soll durch Verkäufe finanziert werden, während die Selbstverpflichtung zu ethischer Produktion weiterhin unter Beobachtung steht. Besonders die Löhne der Beschäftigten in der Montagewerkstatt bleiben ein zentraler Streitpunkt während des Übergangs.