Kernenergie im Aufwind: Wie SMR die Energiewende und Versicherer herausfordern
Hans-Jürgen PeukertKernenergie im Aufwind: Wie SMR die Energiewende und Versicherer herausfordern
Kernenergie gewinnt als Schlüsseltechnologie für die zukünftige Energieversorgung an Fahrt. Angesichts der weltweit steigenden Nachfrage – insbesondere durch Rechenzentren – investieren Regierungen und Technologiekonzerne massiv in herkömmliche Kraftwerke sowie in kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR). Doch bleiben Herausforderungen bei Bau, Risikomanagement und Versicherungsschutz für diese aufstrebenden Technologien bestehen.
Aktuell sind nur wenige SMR in Betrieb, doch Dutzende weitere sind in Planung. Dieser Trend verändert die Energiestrategien und eröffnet neue Chancen für Versicherer und Rückversicherer.
Weltweit befinden sich 69 kleine modulare Reaktoren in der Planungsphase. Lediglich drei sind bereits aktiv: zwei 35-Megawatt-Anlagen in Russland und eine in China. China treibt die Entwicklung mit einem 200-MW-Projekt voran, während auch Japan, die USA, Großbritannien, Kanada und Australien eigene Entwürfe vorantreiben. In den USA baut das Unternehmen TerraPower einen SMR in Wyoming, und in Großbritannien wartet ein 470-MW-Design von Rolls-Royce auf die Genehmigung.
Kernenergie deckt bereits etwa 15 Prozent des Strombedarfs von Rechenzentren. Dieser Anteil könnte bis 2030–2040 auf 15–20 Prozent steigen, da die digitale Nachfrage weiterwächst. Tech-Giganten finanzieren mittlerweile Kernenergieprojekte, darunter auch SMR, um eine stabile, kohlenstoffarme Stromversorgung für ihre Betriebe zu sichern.
Doch der Wandel birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Bauverzögerungen, Betriebsgefahren, die Entsorgung von Abfällen und öffentliche Skepsis erfordern ein sorgfältiges Management. Jimmy Keime, Leiter Engineering & Nuclear bei Swiss Re, betont, dass die globalen Investitionen in Kernenergie zunehmen. Die Absicherung von SMR – insbesondere beim Transport und bei langfristigen Haftungsfragen – bleibt jedoch unsicher. Private Versicherer und Kernrisikopools könnten gemeinsam Lösungen entwickeln müssen.
Versicherer und Rückversicherer begleiten Kernenergieprojekte bereits während Bau und Betrieb. Doch SMR stellen sie vor neue Herausforderungen: von ungetesteten Sicherheitsmodellen bis hin zu unklaren Haftungsrahmen. Die Branche muss sich anpassen, während die Kernenergie eine immer größere Rolle bei der Dekarbonisierung und Energiesicherheit spielt.
Das Wachstum der Kernenergie, insbesondere der kleinen modularen Reaktoren, wird sowohl die Stromnetze als auch den Versicherungssektor prägen. Mit jeder neuen Inbetriebnahme müssen Versicherer Deckungslücken bei Transport, Haftung und aufkommenden Risiken schließen. Da Technologieunternehmen und Regierungen die Nachfrage vorantreiben, wird die Bedeutung der Kernenergie für die Energiewende – und die damit verbundenen Risiken – in den kommenden Jahren weiter zunehmen.






