Kulturkampf in Senftenberg: Warum der Theaterchef trotz Erfolgen gehen muss
Hans-Jürgen PeukertKulturkampf in Senftenberg: Warum der Theaterchef trotz Erfolgen gehen muss
Die Neue Bühne Senftenberg erlebt eine Rückkehr in den regionalen Fokus – ähnlich wie zu Zeiten der DDR. Ihre jüngste Eröffnungsshow löste Debatten über die Sportkultur damals und heute aus. Unterdessen steht der künstlerische Leiter des Theaters, Daniel Ris, vor einer ungewissen Zukunft, nachdem sein Vertrag nicht verlängert wurde.
Die neue Spielzeit begann mit einer mutigen Aufführung in der Niederlausitz-Halle. Das Programm verband traditionelle Sportarten, die Geschichte eines Radrennfahrers und beißende Satire über den militaristischen Leistungssport der DDR. Die Show thematisierte zudem Dopingskandale und den Preis des Strebens nach sportlicher Perfektion.
Daniel Ris leitete die Neue Bühne Senftenberg fünf Jahre lang und steigerte sowohl ihr Renommee als auch die Einnahmen. Unter seiner Führung zog das Theater mit spektakulären Saisoneröffnungen an historischen Orten ein größeres Publikum an. Dennoch wird sein Vertrag trotz dieser Erfolge nicht verlängert.
Die Entscheidung nährt Spekulationen. Einige vermuten, sie stehe im Zusammenhang mit Ris' offener Kritik an rechtsextremen Gruppen oder seinem unkonventionellen Lebensstil. Andere verweisen auf Spannungen mit lokalen Behörden, darunter dem von der AfD dominierten Stadtrat. Die städtischen und kreiseigenen Träger, die das Theater verwalten, wollen die Stelle des künstlerischen Leiters neu ausschreiben.
Ris wehrt sich gegen die Vorwürfe. Ende August wies er Vorhaltungen zu mangelnder Führung und finanzieller Fehlverwaltung zurück, darunter die Behauptung, er habe einen Verlust von 250.000 Euro verursacht. Obwohl er über seine faktische Entlassung verärgert ist, konzentriert er sich auf seine vierte Spielzeit – und lotet gleichzeitig neue berufliche Optionen aus.
Senftenbergs Oberbürgermeister Andreas Pfeiffer anerkennt zwar Ris' künstlerisches Talent, deutet aber "strukturelle Herausforderungen" an. Eine klare Unterstützung für den Leiter bleibt er schuldig – und lässt damit Fragen nach den wahren Gründen für die Vertragsverweigerung offen.
Die Neue Bühne Senftenberg steht nun vor einem Führungswechsel, während Ris seinen Abschied vorbereitet. Sein Ausscheiden erfolgt trotz wachsender Zuschauerzahlen und gestiegener Einnahmen unter seiner Ägide. Die künftige Ausrichtung des Theaters – und die Gründe für seinen Abgang – bleiben Gegenstand lokaler Diskussionen.