Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD droht Rekord, doch Mitte-Wähler könnten alles ändern
Verena KramerLandtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD droht Rekord, doch Mitte-Wähler könnten alles ändern
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigt sich eine verschobene politische Stimmungslage in Deutschland. Viele Wahlberechtigte – insbesondere solche mit einer Tendenz zur politischen Mitte – fühlen sich von den etablierten Parteien entfremdet. Politikanalysten gehen davon aus, dass eine Mobilisierung dieser Wählergruppen dem wachsenden Einfluss der rechtspopulistischen AfD entgegenwirken könnte.
SPD und Union (CDU/CSU) verfügen weiterhin über ein breites, aber weitgehend ungenutztes Wählerpotenzial: 46 Prozent der Wahlberechtigten stünden der SPD grundsätzlich positiv gegenüber, bei der Union sind es 45 Prozent. Doch beiden Parteien gelingt es kaum, Beschäftigte in stabilen Industrieberufen zu erreichen. Die SPDs Fokus auf Themen wie Mindestlohn und Bürgergeld stößt bei manchen auf Ablehnung. Zwar blicken fast die Hälfte der Deutschen auf die SPD mit Wohlwollen, doch die Unzufriedenheit bleibt spürbar.
Die AfD verzeichnet regional sehr unterschiedliche Zustimmungswerte. Im Westen Deutschlands könnten 24 Prozent der Wähler die Partei wählen, im Osten sind es 41 Prozent – allerdings lehnen 60 Prozent der Ostdeutschen die AfD kategorisch ab. Bundesweit wollen 20 Prozent ihre Stimme der AfD geben, weitere 8 Prozent sind noch unentschlossen. Der Umfrageforscher Manfred Güllner warnt, eine absolute Mehrheit der AfD bei der Wahl am 6. September in Sachsen-Anhalt sei „durchaus denkbar“.
Trotz ihrer Zuwächse könnte das Wählerpotenzial der AfD jedoch bereits seinen Höhepunkt erreicht haben. Eine Mobilisierung der gemäßigteren Wähler könnte noch verhindern, dass die Partei eine Zweidrittelmehrheit erringt.
SPD und Union sitzen auf beträchtlichen, aber ungenutzten Reserven. Wenn es gelingt, die Wähler der Mitte zu aktivieren, könnten sie den Wahlausgang entscheidend prägen. Zwar scheint das Wachstum der AfD begrenzt, doch ihre regionale Stärke bleibt eine Herausforderung für die demokratischen Parteien.
