Münsingens Bereitschaftspraxis schließt – Patienten fürchten längere Notfallfahrten nach Reutlingen
Hans-Jürgen PeukertMünsingens Bereitschaftspraxis schließt – Patienten fürchten längere Notfallfahrten nach Reutlingen
Die ärztliche Bereitschaftspraxis in Münsingen hat offiziell ihre Türen geschlossen – zur Sorge der Einwohner, die nun längere Anfahrtswege bei dringenden Behandlungen befürchten. Trotz einer Bürgerinitiative mit 22.000 Unterschriften für den Erhalt der Praxis trieb die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) die Schließung am Montag, dem 2. Oktober, voran. Die Entscheidung ist Teil umfassender Reformen, die bis Ende Oktober weitere Schließungen im Land zur Folge haben könnten.
Die KVBW rechtfertigt den Schritt mit der Begründung, die Münsinger Praxis habe die geforderten Versorgungsstandards nicht mehr erfüllt. Ziel der Umstrukturierung sei es, sicherzustellen, dass Patienten eine Notfallpraxis innerhalb von 20 Minuten mit dem Auto erreichen können. Doch die Veränderung stößt bei lokalen Ärzten und Anwohnern auf Kritik. Dr. Eberhard Rapp, ehemaliger Leitender Arzt in Münsingen, warnt, dass längere Fahrten – besonders im Herbst und Winter – lebenswichtige Behandlungen verzögern und die Notdienste zusätzlich belasten könnten.
Die Reformen zielen zwar auf eine Verbesserung der Regelversorgung an Werktagen ab, doch bleiben dadurch weniger Ärzte mit einer höheren Arbeitsbelastung zurück. Während die KVBW betont, die Änderungen würden die Abläufe effizienter gestalten, argumentieren Kritiker, dass Schließungen wie in Münsingen die Ressourcen weiter ausdünnen. Die Jungen Sozialist:innen Baden-Württemberg haben als Protest einen Lauf von Münsingen nach Reutlingen organisiert und lehnen weitere Schließungen in Nagold und Albstadt ab.
Von den Plänen der KVBW sind auch benachbarte Städte betroffen: Reutlingen und Ehingen übernehmen nun eine Schlüsselrolle in der Notfallversorgung. Doch angesichts der geringeren Praxisdichte bleiben Zweifel, ob die 20-Minuten-Vorgabe bei hohem Patientenaufkommen oder schlechtem Wetter eingehalten werden kann.
Die Schließung in Münsingen markiert den Beginn einer flächendeckenden Neuordnung der ärztlichen Bereitschaftsdienste in Baden-Württemberg. Patienten müssen nun weitere Wege nach Reutlingen oder Ehingen in Kauf nehmen, während Ärzte wie Dr. Rapp eine zunehmende Überlastung der Notdienste befürchten. Die KVBW versichert, die Reformen würden Effizienz und Erreichbarkeit in Einklang bringen – doch Proteste und Petitionen zeigen, dass viele Anwohner davon nicht überzeugt sind.






