Neue Kulturschätze: Von Jahrmarktschaustellern bis zur Herrenmaßschneiderei – doch wer entscheidet, was dazugehört?
Hans-Jürgen PeukertNeue Kulturschätze: Von Jahrmarktschaustellern bis zur Herrenmaßschneiderei – doch wer entscheidet, was dazugehört?
Deutschland erweitert seine Liste offiziell anerkannter Kulturschätze
Die neuesten Aufnahmen reichen von Schaustellerkunst auf Volksfesten bis hin zur handwerklichen Herrenschneiderei. Wie von Landesvertretern bekannt gegeben wurde, unterstreichen die Neuzugänge die vielfältige Kulturlandschaft des Landes.
Doch das Auswahlverfahren sorgt für Diskussionen, nachdem bestimmte kulturelle Elemente – darunter ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen – von der Förderung ausgeschlossen wurden.
Der Staatsminister für Kultur, Wolfram Weimer, präsentierte gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission die neuen Eintragungen. Dazu zählen die deutsche Jahrmarktschaustellerei, ein fester Bestandteil von Volksfesten, sowie das Handwerk der Herrenmaßschneiderei, das für seine Präzision und Tradition geschätzt wird. Ebenfalls aufgenommen wurden Fischereipraktiken in der Ostsee, das Straßenfußballspielen auf dem Bolzplatz und die St.-Martins-Umzüge im Rheinland.
Doch Weimers Vorgehen stößt auf Kritik. Seine Entscheidungen führten zur Streichung eines von Berlin geförderten Übersetzungsprogramms für palästinensische Schriftsteller:innen, was Proteste von Kulturminister:innen und Senator:innen in acht SPD-geführten Bundesländern auslöste. Weitere Auslassungen – etwa der Döner Kebab, unabhängige linksalternative Buchläden oder sogar die Bratwurst vom SPD-Sommerfest – werfen die Frage auf, was eigentlich als kulturell bedeutend gilt.
Eine überraschende Aufnahme war eine historische Anzeige mit der Suche nach einem "Jungen Mann für Reisen" – heute ein Symbol für deutsche Kreativität und Weltoffenheit. Die Mischung aus alten und neuen Anerkennung spiegelt sowohl Stolz auf die Tradition als auch anhaltende Spannungen um kulturelle Repräsentation wider.
Die aktualisierte Liste erweitert das geschützte Kulturerbe Deutschlands, offenbart aber auch Gräben bei den Auswahlkriterien. Während einige Traditionen offiziellen Status erhalten, bleiben andere – wie das palästinensische Übersetzungsprojekt – außen vor. Die Debatte zeigt: Kulturbewahrung ist ein umstrittenes und dynamisches Unterfangen.






