Özdemir triumphiert mit 97 Prozent – und überrascht mit Unterstützung für Boris Palmer
Hans-Jürgen PeukertÖzdemir triumphiert mit 97 Prozent – und überrascht mit Unterstützung für Boris Palmer
Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen für die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg, hat innerhalb seiner Partei überwältigende Unterstützung erhalten. Die Delegierten stimmten mit 97 Prozent für ihn – ein deutliches Zeichen des Vertrauens in seine Führung. Gleichzeitig hat sich Özdemir hinter Boris Palmer gestellt, den umstrittenen ehemaligen Tübinger Oberbürgermeister, obwohl dieser die Partei im vergangenen Jahr verlassen hat.
Palmer war im April 2025 nach jahrelangen Konflikten aus den Grünen ausgetreten. Als Tübinger Oberbürgermeister hatte er immer wieder Kritik auf sich gezogen, etwa wegen provokativer Äußerungen oder wegen Debatten über das Image der Stadt. Obwohl er kein Mitglied mehr ist, bleibt er einflussreich – Özdemir sieht in ihm mittlerweile einen wichtigen Berater in Fragen der Kommunalpolitik und Verwaltung.
Özdemir lobte Palmers Arbeit in den Bereichen Ökologie und Verkehrspolitik und bezeichnete seine Erfolge als beachtlich. Auch dessen jüngste öffentliche Debatte mit Marcus Frohnmaier, dem Spitzenkandidaten der AfD, fand seine Anerkennung: Palmer habe sich "gut behauptet". Gleichzeitig stellte Özdemir klar, dass eine Rückkehr Palmers in die Partei nicht zur Diskussion stehe.
Für die Zukunft setzt Özdemir auf einen ausgewogenen politischen Kurs. Im Mittelpunkt stehen für ihn die Verbindung ökologischer Ziele mit wirtschaftlichen Erfordernissen sowie die Berücksichtigung ländlicher Belange und der Sicherheitspolitik. Zudem äußerte er sich zufrieden mit dem amtierenden Ministerpräsidenten, der das Land seit 15 Jahren mit einer Politik führe, die allen Regionen zugutekomme. Den Verhältnis der baden-württembergischen Grünen zur Bundespartei verglich Özdemir mit dem der CSU zur CDU: Beide Paare teilten zwar grundlegende Werte, passten sich aber regionalen Prioritäten an.
Mit dem starken Rückhalt in der Partei und seiner klaren inhaltlichen Ausrichtung ist Özdemir gut aufgestellt für den Wahlkampf in Baden-Württemberg. Seine Zusammenarbeit mit Palmer – trotz früherer Spannungen – unterstreicht dabei einen pragmatischen Regierungsansatz. Der Landesverband der Grünen geht weiterhin seinen eigenen Weg, bleibt aber den übergeordneten Parteigrundsätzen verbunden.