RAW-Gelände in Berlin: Kulturschatz zwischen Räumungsklagen und Wohnungsbauplänen
Ludger RörrichtRAW-Gelände in Berlin: Kulturschatz zwischen Räumungsklagen und Wohnungsbauplänen
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines bedeutenden Kulturzentrums, steht auf dem Spiel. Ein Streit zwischen dem privaten Eigentümer und der Stadt gefährdet die Beliebtheit seiner Clubs, Bars und kulturellen Räume.
Das RAW-Gelände begann seine Geschichte als Ausbesserungswerk der Reichsbahn. Nach dem Fall der Berliner Mauer lag es brach. Im Laufe der Jahre zogen Bars, Clubs und Vereine in die teils verfallenen Hallen ein und lockten Feiernde, Einheimische und Touristen an.
Heute beherbergt das Gelände Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle und saisonale Märkte. Seine lebendige Atmosphäre hat es zu einem zentralen Bestandteil der Berliner Kulturszene gemacht.
Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Pläne für neue Wohnungen und der Erhalt der historischen Hallen. Die Kurth Group, Eigentümerin des Geländes, wirft Berlin vor, frühere Vereinbarungen gebrochen und neue Forderungen gestellt zu haben. Das Unternehmen fordert zudem eine schnellere Baugenehmigung für den Wohnungsbau als Bedingung für weitere Planungen.
Als Reaktion forderten Senat und Bezirk weitere Gespräche, um den einzigartigen Charakter des Geländes zu bewahren. Proteste haben bereits begonnen – Dutzende versammelten sich am Kurfürstendamm unter dem Motto „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“. Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, erhalten nun Räumungsklagen; der Club soll bereits nächste Woche geräumt werden.
Der Streit bleibt ungelöst. Räumungsbefehle für einige Mieter liegen bereits vor. Das Ergebnis wird entscheiden, ob das RAW-Gelände seine kulturelle Identität behält oder einer umfassenden Umgestaltung unterzogen wird.
