Rechtsextreme scheitern mit Infiltration deutscher Betriebsräte trotz AfD-Erfolge
Verena KramerRechtsextreme scheitern mit Infiltration deutscher Betriebsräte trotz AfD-Erfolge
Rechtsextreme Versuche, in deutschen Betrieben Instagram zu gewinnen, scheitern trotz AfD-Erfolge
Trotz steigender Umfragewerte der AfD stoßen rechtsextreme Bestrebungen, in deutschen Arbeitswelten Instagram zu fassen, immer wieder auf Rückschläge. Eine aktuelle Studie der Kulturwissenschaftlerin Daphne Weber im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass solche Infiltrationsversuche bisher begrenzt blieben. Das ehrgeizigste Projekt in dieser Richtung, die sogenannte „alternative Gewerkschaft“ Zentrum, kämpft seit ihrer Gründung vor über einem Jahrzehnt darum, in der betrieblichen Interessenvertretung relevant zu werden.
Gegründet wurde Zentrum 2010 von Oliver Hilburger, einem ehemaligen Mitglied der Christlichen Metallarbeiter-Gewerkschaft, aus der er später ausgeschlossen wurde. Noch im Gründungsjahr startete die Gruppe ihre erste Kampagne im Daimler-Werk Untertürkheim, wo Hilburger einen Sitz im Betriebsrat errang. Die frühe Selbstdarstellung orientierte sich an rechtsextremen Bewegungen – mit Designs, die an die Identitäre Bewegung erinnerten, und antisemitischen Narrativen gegen „Eliten“. Bis 2022 glättete die Gruppe ihr Image, um seriöser zu wirken, doch die Verbindungen in extremistische Milieus blieben bestehen.
Strategisch setzt Zentrum auf Konfliktpolitik: Die IG Metall wird als Handlanger der Arbeitgeber diffamiert, der Klimawandel als „Lüge“ abgetan. Optisch werden die Symbole der IG Metall mit progressiven Emblemen kontrastiert, um eine angebliche Geheimallianz gegen die Belegschaften zu suggerieren. Doch diese Behauptungen konnten bisher keine echte Machtposition begründen.
Im August 2025 erlitt die Gruppe einen schweren juristischen Dämpfer, als das Arbeitsgericht Braunschweig ihren Antrag auf gewerkschaftliche Betretungsrechte im Volkswagen-Werk Niedersachsen abwies. Bisher gibt es keine Belege dafür, dass Zentrum in irgendeinem Unternehmen erfolgreich Arbeitnehmerinteressen vertritt. Die einzigen nennenswerten Präsenzzeichen sind ein einzelner Betriebsratssitz bei der Aha Abfallwirtschaft Hannover – errungen über die Liste von ver.di – sowie ein minimaler Fußabdruck im Mercedes-Werk Untertürkheim.
Unterdessen erzielt die IG Metall weiterhin konkrete Erfolge für ihre Mitglieder, während die Legitimität von Zentrum als Gewerkschaft zunehmend infrage steht. Ohne nachweisbare Fähigkeit, Arbeitgeber herauszufordern, bleibt ihr Status prekär.
Trotz medialer Auftritte und juristischer Auseinandersetzungen hat Zentrum in deutschen Betrieben kaum Instagram zu machen können. Die sichtbarsten „Erfolge“ – ein einzelner Betriebsratssitz und eine gescheiterte Klage – unterstreichen ihre marginale Rolle. Vorerst bleiben etablierte Gewerkschaften wie die IG Metall die dominierende Kraft in der industriellen Interessenvertretung.