26 January 2026, 15:32

Sozialpädagogen in Karlsruhe: Zwischen Schweigepflicht und Gerichtsdrohung

Eine Gruppe von Fussballspielern in Helmen steht zusammen auf einem grünen Feld, mit einer Menge Menschen auf den Tribünen und Transparenten mit Text im Hintergrund.

Sozialpädagogen in Karlsruhe: Zwischen Schweigepflicht und Gerichtsdrohung

Drei Sozialpädagogen des Karlsruher Fanprojekts entgingen nur knapp einer Haftstrafe wegen Missachtung des Gerichts, nachdem sie sich weigerten, über gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Fußballfans auszusagen. Der Vorfall ereignete sich nach einer fehlgeschlagenen Pyrotechnik-Show bei einem Spiel des Karlsruher SC im November 2023, bei der elf Personen verletzt wurden. Der Fall hat nun die Debatte über rechtliche Schutzmechanismen für Sozialpädagogen in risikoreichen Tätigkeitsfeldern neu entfacht.

Die Probleme begannen, als Dutzende Fans des 1. FC Kaiserslautern und des Karlsruher SC im Karlsruher Wildparkstadion aneinandergerieten. Ordner wurden verletzt, und die Polizei leitete Ermittlungen ein. Wären die drei Sozialpädagogen anwesend gewesen, hätten auch sie möglicherweise aussagen müssen.

Die Betroffenen, die sich um junge Fans kümmern, um antisoziales Verhalten zu verhindern, verfügen derzeit über kein gesetzliches Recht, die Aussage zu verweigern. Das stellt sie vor ein Dilemma: zwischen beruflicher Ethik und möglichen juristischen Konsequenzen. Richter Peter Stier vom Landgericht Karlsruhe stellte das Verfahren zwar ein, verhängte jedoch Geldstrafen zwischen 1.500 und 3.150 Euro.

Anders als Sozialpädagogen in der Drogenberatung oder Schwangerschaftskonfliktberatung genießen Mitarbeiter in Fanprojekten keinen rechtlichen Schutz. Berufsverbände wie der DBSH und das Bündnis für das Zeugnisverweigerungsrecht fordern seit Langem eine Änderung. Stiers Urteil wurde von vielen als Signal an die Politik verstanden, diese Schutzrechte auszuweiten.

Der Fall zeigt die prekäre Situation von Sozialpädagogen in Fanprojekten, die ohne rechtliche Absicherung arbeiten. Ohne Reformen bleibt ihre Fähigkeit, Vertrauen zu gefährdeten Gruppen aufzubauen, gefährdet. Vorerst haben die Geldstrafen den Fall geregelt – doch die Forderungen nach umfassenderen Schutzmaßnahmen halten an.