Streit um Cannabis-Gesetz: Soll Telemedizin verboten werden?
Ein neuer Gesetzentwurf zu medizinischem Cannabis hat in Deutschland eine Debatte unter Politikern und Gesundheitsexperten ausgelöst. Die geplanten Änderungen zielen darauf ab, die Verschreibungsregeln zu verschärfen, doch bleibt man sich uneinig über Telemedizin und den Zugang für Patienten. Nun arbeiten die Koalitionsspitzen an einem Kompromiss, bevor der Entwurf zur Abstimmung kommt.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will Online-Rezepte und den Versandhandel mit medizinischem Cannabis verbieten. Sie argumentiert, das aktuelle System ermögliche einen schnellen, unkontrollierten Zugang – manche Patienten erhielten ihre Medikamente in weniger als 30 Sekunden. Ihr Parteikollege Dr. Thomas Pauls befürwortet strengere Kontrollen, räumt aber ein, dass es schwierig sei, Ärzte vor rechtlichen Risiken zu schützen, ohne sie gleichzeitig mit übermäßigen Auflagen zu belasten.
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Serdar Yüksel, lehnt Teile des Vorhabens ab. Telemedizin sei mittlerweile Standard und könne nicht einfach verboten werden, betont er. Yüksel verteidigte zudem das Recht der Ärzte, Cannabis auf Basis individueller Schmerzbeurteilungen zu verschreiben, und warnte vor zu starren Vorschriften. Unterdessen haben Ärzteverbände begonnen, gegen Mediziner vorzugehen, die Patienten gezielt an Online-Rezeptplattformen verweisen.
Dr. Christiane Neubaur (FDP) schlug einen anderen Weg vor: bestimmte Cannabisprodukte könnten im Rahmen von Modellprojekten rezeptfrei in Apotheken abgegeben werden. Yüksel machte jedoch klar, dass digitale Rezepte nicht verhandelbar seien. Trotz dieser Differenzen sind sich die Koalitionspartner einig, dass das aktuelle "Klick-Verschreibungsmodell" beendet werden muss.
Die Zukunft des Kabinettsentwurfs ist ungewiss. Ohne weitere Anpassungen könnte er in der aktuellen Form keine parlamentarische Mehrheit finden. Die Diskussion zeigt das Spannungsfeld zwischen strengerer Regulierung und der Aufrechterhaltung des Patientenzugangs. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde es die Verschreibung und Abgabe von medizinischem Cannabis in Deutschland grundlegend verändern. Weitere Verhandlungen werden entscheiden, ob vor der Abstimmung noch ein Kompromiss gefunden wird.






