Verlassene Fernsehtürme in Deutschland: Warum viele für immer geschlossen bleiben
Verena KramerVerlassene Fernsehtürme in Deutschland: Warum viele für immer geschlossen bleiben
Viele der ikonischen Fernsehtürme in den Bundesländern Deutschlands waren einst beliebte Touristenmagnete mit Aussichtsplattformen, Restaurants und Nachtleben. Doch strengere Sicherheitsvorschriften und finanzielle Engpässe haben die meisten zur Schließung gezwungen. Heute sind nur noch wenige – wie die Türme in Berlin, Düsseldorf, Dortmund und Stuttgart – für Besucher geöffnet.
In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden Türme wie der Frankfurter Europaturm mit dem Ziel errichtet, der Öffentlichkeit zugänglich zu sein. Der 1979 von der Deutschen Bundespost fertiggestellte Bau verfügte über Aussichtsplattformen und ein Restaurant. Doch heute steht er leer, und eine Wiedereröffnung scheitert am Geldmangel. Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen müssten die Kosten teilen, doch eine Einigung steht aus.
Nicht weit entfernt thront auch der 338 Meter hohe "Ginnheimer Spargel" im Frankfurter Stadtteil Ginnheim ungenutzt. Einst beherbergte er ein Drehrestaurant und eine Diskothek, doch 1999 schloss er seine Türen. Eine Machbarkeitsstudie bezifferte die Sanierungskosten auf 50 Millionen Euro, wobei der Bund die Hälfte übernehmen würde – vorausgesetzt, Land und Stadt teilen sich die restliche Summe. Da die Bundeszusage jedoch Ende 2025 ausläuft, geht der Betreiber DFMG mittlerweile davon aus, dass der Turm nie wieder öffnen wird.
Das Problem beschränkt sich nicht auf Frankfurt. Bundesweit waren rund 15 Fernsehtürme ursprünglich sowohl für technische Zwecke als auch für den Tourismus konzipiert. Doch mit dem Umstieg auf Glasfaserkabel und Satellitentechnik brachen die Einnahmen aus Mietverträgen weg, und viele Türme blieben ohne finanzielle Grundlage. Verschärfte Sicherheitsauflagen – etwa die Pflicht zu zwei Notausgängen und einem feuersicheren Aufzug – erhöhen die finanziellen Hürden zusätzlich. Der Olympiapark-Turm in München wird derzeit beispielsweise aufwendig saniert, um diese Standards zu erfüllen, bevor er wieder Gäste empfangen kann.
Doch nicht alle Geschichten enden düster. Die Türme in Hamburg und Dresden konnten dank eines gemeinsamen Finanzierungsmodells erfolgreich wiedereröffnet werden. Investoren, die unter dem Namen GD Towers zusammengefasst wurden, halfen, einige Standorte wiederzubeleben. Ohne eine ähnliche Zusammenarbeit drohen andere jedoch für immer geschlossen zu bleiben.
Die Zukunft der geschlossenen Türme in den Bundesländern Deutschlands hängt nun von Finanzierung und Kompromissbereitschaft ab. Werden einige, wie der Münchner Olympiapark-Turm, nach kostspieligen Modernisierungen wieder öffnen, läuft für andere – etwa den "Ginnheimer Spargel" – die Zeit davon. Ohne eine finanzielle Lösung bis Ende 2025 könnten sie der Öffentlichkeit für immer verloren gehen.