Von 400 Exemplaren zur polarisierenden Medienmacht: Die Geschichte der Jungen Freiheit
Gabor HethurVon 400 Exemplaren zur polarisierenden Medienmacht: Die Geschichte der Jungen Freiheit
1986 gründete Dieter Stein mit nur 18 Jahren die Junge Freiheit. Die erste Auflage war winzig – gerade einmal 400 Exemplare –, doch die Zeitung entwickelte sich bald zu einer polarisierenden Stimme im deutschen Medienland. Im Laufe der Jahre sah sie sich mit behördlicher Überprüfung und sogar gewalttätigen Angriffen auf ihren Gründer konfrontiert.
Stein startete das Blatt ohne Gewinnabsicht. Die frühen Ausgaben kosteten mehr im Druck, als sie einbrachten, und einmal transportierte er sie in einem Pappkarton auf dem Fahrrad nach Hause. Bis 1993 hatte das Magazin jedoch so viel Aufmerksamkeit erregt, dass 2.000 Demonstranten auf die Straße gingen und ihm rechtsextreme Tendenzen vorwarfen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beobachtete die Junge Freiheit wegen Extremismusverdachts. Einige Leser berichteten, sie fühlten sich ins Visier genommen – allein wegen ihres Abonnements fürchteten sie, ihre Telefone könnten abgehört werden. Die Spannungen eskalierten 1995, als Steins Auto vor dem Redaktionsgebäude in Brand gesteckt wurde.
Trotz aller Kontroversen wuchs das Magazin. Es zog von Freiburg nach Berlin, noch vor dem Umzug der Regierung in die wiedervereinte Hauptstadt. Finanziert wurde es vor allem über den Verkauf; Werbeeinnahmen machten lediglich 2–3 Prozent des Umsatzes aus.
Stein, inzwischen Vater, äußerte sich mehrfach zu seiner Haltung zur Wehrpflicht. Zwar befürworte er grundsätzlich die allgemeine Dienstpflicht, doch die Entscheidung, ob sein Sohn dienen solle, müsse letztlich bei diesem liegen.
Was als kleines, selbstfinanziertes Projekt begann, wurde zu einer Publikation, die von Anhängern wie Kritikern gleichermaßen beobachtet wird. Ihre Geschichte umfasst Proteste, Überwachung und sogar Brandstiftung – und doch erscheint die Junge Freiheit bis heute. Mit ihrem Finanzierungsmodell und ihrer redaktionellen Linie bleibt sie eine Besonderheit in der deutschen Medienlandschaft.






