Wie eine Theatertherapie meine Ängste vor extremen Bühnenmomenten offenbart
Gabor HethurWie eine Theatertherapie meine Ängste vor extremen Bühnenmomenten offenbart
Ein jüngster Theaterbesuch konfrontierte mich mit einer unerwarteten Herausforderung. Das Stück, das sich mit Themen wie Überleben und Zusammenhalt während der Apokalypse beschäftigte, endete mit donnerndem Applaus – doch eine Sache ließ mich nicht los. Der Ruf des Hauptdarstellers, nackt aufzutreten und aus der Rolle zu fallen, weckte in mir eine tiefere Angst vor künftigen Aufführungen.
Alles begann mit dem Vorschlag einer Freundin: eine Desensibilisierungstherapie, um meiner wachsenden Unruhe zu begegnen. Wir erstellten eine Liste mit steigenden Schwierigkeitsgraden, beginnend mit dem Besuch jeder Vorstellung des berüchtigten Schauspielers. Der letzte Punkt – eine Kreuzfahrt mit Pflichtbesuch von Heino trifft Rammstein – ließ mir den Magen umdrehen.
Die Sitzung nahm eine surreale Wendung, als wir Frühling für Hitler als Übung zur Erholung ansahen. Die Reaktionen im Publikum könnten nicht unterschiedlicher sein. Ein Zuschauer brüllte wütend ein „Buh!“ auf die Bühne, andere lachten nervös.
Am Ende stellte ich mir ein Programm vor, das extremistische Ideologien mit Vorführungen klassischer Filme bekämpfen sollte. Die Idee klang absurd, passte aber seltsam gut zu dem emotionalen Wechselbad des Abends.
Der Therapieversuch hat meine Ängste nicht beseitigt, aber er hat mir ihre Ursprünge gezeigt. Der unberechenbare Stil des Hauptdarstellers lässt mich immer noch zögern, in Berlins große Theater zurückzukehren. Vorerst bleibt die Liste unvollendet – und die Kreuzfahrt, zum Glück, ungebucht.






