"Wir wollten weg": Ein Buch enthüllt die brutale Realität der DDR-Diktatur
Hans-Jürgen Peukert"Wir wollten weg": Ein Buch enthüllt die brutale Realität der DDR-Diktatur
Ein neues Erinnerungsbuch wirft ein Schlaglicht auf die harte Realität des Lebens unter dem DDR-Regime. "Wir wollten weg" von Peter Niebergall schildert den Kampf seiner Familie gegen die staatliche Unterdrückung in den 1980er-Jahren. Das Buch deckt zudem die Rechtsbeugungen durch Funktionäre wie den Staatsanwalt Ekkehard Kaul auf, dessen Handeln später zu seiner eigenen Verurteilung führte.
Peter Niebergalls Geschichte beginnt lange vor seiner Verhaftung. 1968 erlebte er die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei während des Prager Frühlings – ein Ereignis, das sein Misstrauen gegenüber autoritären Systemen prägte. Jahre später, 1983, beantragten er und seine Frau Heidi die Ausreise in die Bundesrepublik – ein Vorhaben, das die DDR-Führung als direkte Provokation betrachtete.
Ihr Antrag löste eine schnelle Reaktion aus. Am 6. August 1983 wurden das Ehepaar und andere Bürgerrechtler verhaftet. Staatsanwalt Ekkehard Kaul warf ihnen "staatsfeindliche Hetze" vor, ein gängiger Vorwurf, um regimekritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Der folgende Prozess war kurz und hart: Am 27. Oktober 1983 wurde Peter Niebergall zu einem Jahr und zwei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Kaul hingegen erhielt später eine Bewährungsstrafe wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung.
Erst nach der Wiedervereinigung kam es zur juristischen Aufarbeitung. 1998 verurteilte das Landgericht Berlin Kaul zu einem Jahr und drei Monaten Haft. Niebergalls Buch dient heute als detaillierte Chronik dieser Ereignisse – es dokumentiert die systematischen Verstöße der DDR gegen demokratische Grundrechte und den persönlichen Preis des Widerstands.
Die Veröffentlichung hat eine Debatte ausgelöst, insbesondere in den Reihen der Linkspartei, der Nachfolgeorganisation der DDR-Staatspartei SED. Niebergalls schonungslose Darstellung des Regimes als Diktatur stellt diejenigen infrage, die dessen repressive Natur bis heute verharmlosen.
"Wir wollten weg" ist zugleich persönliches Zeugnis und historisches Dokument. Es zwingt zur Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit und zeigt, wie normale Bürger allein für den Wunsch nach Freiheit kriminalisiert wurden. Für viele ist das Buch inzwischen Pflichtlektüre – vor allem für jene, die das wahre Gesicht der DDR noch immer in Frage stellen.






