Zoff um A8-Verkehrsprognosen: Wer lügt bei den Lkw-Zahlen im Enztal?
Hans-Jürgen PeukertZoff um A8-Verkehrsprognosen: Wer lügt bei den Lkw-Zahlen im Enztal?
Streit um Verkehrsprognosen für die A8 im Enztal eskaliert
Die Kontroverse um die Verkehrsprognosen für die Autobahn A8 im Enztal hat sich zugespitzt. Lokale Aktivisten, Politiker und Fachleute stellen den Lärmschutzbericht der Stadt Pforzheim infrage, der deutlich geringere Lkw-Zahlen annimmt als unabhängige Zählungen. Im Mittelpunkt der Debatte steht, wie wirksam neue Lärmschutzwälle tatsächlich sein werden – und ob das künftige Verkehrsaufkommen unterschätzt wurde.
Die Bürgerinitiative Leise A8 führte 2023 eigene Verkehrszählungen in der Nähe der Anschlussstelle Ispringen durch. Ihre Ergebnisse, die vom Pforzheimer Echo und der Initiative veröffentlicht wurden, ergaben 12.000 Lkw pro Tag auf der A8 – ein Wert, der im Widerspruch zu den Angaben der Stadt steht, die von nur 27.873 Lastwagen täglich ausgeht. Selbst der TÜV hält diese Zahl für zu niedrig und schätzt die tatsächliche Belastung auf 38.000 Lkw.
Die FDP-Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Rülke und Erik Schweickert kritisieren den Bericht scharf, weil er die erwartete Zunahme des nächtlichen Güterverkehrs ignoriert. Sie argumentieren, dass die Stilllegung des Enztaltunnels 2025 zu einer Verlagerung von mehr Lkw auf die Autobahn – insbesondere nachts – führen werde, ein Szenario, das in der städtischen Analyse keine Berücksichtigung findet. Während die Stadt mit einem jährlichen Verkehrsanstieg von 1 % ab 2025 rechnet, liegt das aktuelle Wachstum bei rund 2 %.
Auch die SPD-Fraktion übt Kritik und bezeichnet die Annahmen des Berichts als veraltet. Sie fordert zusätzliche Fachgutachten und drängt die Verwaltung dazu, Vertreter der Initiative Leise A8 in die Beratungen einzubeziehen. Zudem weist die Fraktion darauf hin, dass die geplanten Lärmschutzwälle die Geräuschpegel nur um 3 Dezibel (A) senken sollen – ein Wert, den viele für unzureichend halten.
Die Unterschiede betreffen nicht nur den Güterverkehr: Während die Stadt von 77.143 Pkw täglich ausgeht, kommt der TÜV auf 110.000 Fahrzeuge. Die SPD besteht darauf, dass vor weiteren Ausbauplänen eine realistischere Bewertung erfolgen muss.
Der Lärmschutzbericht der Stadt gerät zunehmend unter Druck. Sollten sich die höheren Lkw-Zahlen bestätigen, könnte die geplante Lärmreduzierung um 3 dB(A) den Anforderungen der Anwohner nicht gerecht werden. Die nächsten Schritte hängen davon ab, ob die Verwaltung ihre Prognosen überarbeitet – oder an den aktuellen Zahlen festhält.






