AfD gewinnt in Baden-Württemberg an Einfluss – wie Rechtspopulisten Arbeiter umwerben
Hans-Jürgen PeukertAfD gewinnt in Baden-Württemberg an Einfluss – wie Rechtspopulisten Arbeiter umwerben
Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) gewinnt in Baden-Württemberg an Boden – einem Bundesland, das einst als resistent gegen ihren Einfluss galt. Aktuelle Umfragen zeigen die Partei bei 20 Prozent, was beweist, dass das Problem längst nicht mehr auf Ostdeutschland beschränkt ist. Gleichzeitig sehen sich Gewerkschaften mit Forderungen konfrontiert, eine kämpferischere Haltung zum Schutz von Arbeitsplätzen einzunehmen, während die wirtschaftliche Unsicherheit wächst.
Seit 2022 wirbt die AfD in Baden-Württemberg gezielt um Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder. Die Partei kritisiert die etablierte Wirtschaftspolitik und macht Globalisierung sowie Migration für Jobverluste verantwortlich. Fabrikbesuche und Treffen mit enttäuschten Gewerkschaftern gehören mittlerweile zum Programm. Gemeinsame Veranstaltungen mit Gruppen wie Zentrum, einer rechtsextremen Arbeiterinitiative, fanden 2023 und 2024 in Stuttgart statt, wie die Schwäbische Zeitung und die FAZ im Oktober 2024 berichteten.
Der Spitzenkandidat der AfD, Markus Frohnmaier, warnt vor einem "Detroit 2.0"-Szenario, um Ängste unter Industriearbeitern zu schüren. Der Industriesoziologe Klaus Dörre argumentiert, dass sich Fabrikmitarbeiter, die sich nicht wertgeschätzt fühlen, ihre Frustration zunehmend gegen Migranten und Sozialhilfeempfänger richten. Studien deuten jedoch darauf hin, dass viele AfD-Wähler in Weiterbildungsseminaren der Metallindustrie eher Protestwähler als überzeugte Rechtsextreme sind.
Der rechtsextreme Ideologe Benedikt Kaiser propagiert eine Doppelfstrategie: Gewerkschaften sollen angegriffen und gleichzeitig unterwandert werden. Seit 2022 rücken AfD und Zentrum enger zusammen – Spitzenpolitiker wie die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel und der Zentrum-Vorsitzende Oliver Hilburger treten gemeinsam auf. Diese Entwicklung fällt in eine Zeit, in der die Jobunsicherheit in Baden-Württemberg zunimmt, obwohl das Land die höchsten Löhne Deutschlands aufweist. Unternehmen wie Daimler und Bosch haben Stellenstreichungen angekündigt und schüren damit die Unzufriedenheit.
Mitten in diese Spannungen hinein wurde dem 30-jährigen antifaschistischen Aktivisten Danial Bamdadi, der im Iran geboren wurde, die Einbürgerung von der grün geführten Landesregierung verweigert. Bamdadi, der in der Extremismusprävention für den Verein zur Bewahrung der Demokratie arbeitet, will gegen die Entscheidung klagen.
Der Aufstieg der AfD in Baden-Württemberg spiegelt tiefere wirtschaftliche Ängste und eine gezielte Strategie wider, in Arbeitnehmerkreisen Fuß zu fassen. Gewerkschaften stehen nun unter Druck, dem rechtspopulistischen Einfluss mit stärkerem Arbeitsplatzschutz und Alternativen entgegenzutreten. Das Ergebnis von Bamdadis Klage könnte die Spannungen zwischen staatlicher Politik und basisdemokratischem Engagement weiter zuspitzen.






