10 February 2026, 11:26

Antisemitismus-Vorwürfe gegen RTL: Warum Gil Ofarims Auftritt in der Stefan-Raab-Show für Empörung sorgt

Eine deutsche Zeitungsvorderseite von 1939 mit der Schlagzeile 'Weitpreubliche Zeitung', die eine Gruppe in traditioneller deutscher Tracht zeigt.

Antisemitismus-Vorwürfe gegen RTL: Warum Gil Ofarims Auftritt in der Stefan-Raab-Show für Empörung sorgt

Ein jüngster Auftritt des Sängers Gil Ofarim in der Stefan-Raab-Show hat die Debatte über antisemitische Klischees in deutschen Medien neu entfacht. Die Sonderfolge, die RTL 2024 ausstrahlte, enthielt einen Sketch, der sich auf Ofarims angebliches "Schwindler-Gen" bezog – eine Äußerung, die viele mit schädlichen jüdischen Stereotypen in Verbindung brachten.

Die Kritik verschärfte sich nach Ofarims früherer Teilnahme an Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!, wo seine früheren falschen Antisemitismus-Vorwürfe wieder aufkamen und die öffentliche Meinung erneut spalteten.

Der Streit hatte 2021 begonnen, als Ofarim fälschlicherweise einen Hotelmitarbeiter in Leipzig des Antisemitismus beschuldigte. Ein Gericht wies seine Verleumdungsklage später ab und verurteilte ihn zur Zahlung von 10.000 Euro Schadensersatz. Dennoch löste sein Sieg bei Ich bin ein Star 2024 eine neue Diskussion aus: Einige Zuschauer kritisierten sein Verhalten als manipulativ, andere verteidigten ihn als Opfer.

RTLs Entscheidung, Ofarim in einer Sonderfolge der Stefan-Raab-Show zu präsentieren – Teil der Strategie des Senders, 2024 die Einschaltquoten wiederzubeleben –, verschärfte die Spannungen. Ein Sketch in der Sendung deutete an, Ofarims "Schwindler-Gen" stamme von "Onkel Samuel", eine Formulierung, die weithin als antisemitisches Klischee interpretiert wurde. Zwar wies RTL jede antisemitische Absicht zurück, zog die Sequenz aber angesichts öffentlicher Empörung von seiner Streaming-Plattform zurück.

Die Reaktionen im Netz nahmen zu, Nutzer warfen der Show vor, Vorurteile über Jüdinnen und Juden zu verstärken. Auch der Hotelmitarbeiter aus dem Vorfall von 2021 meldete sich zu Wort und bezeichnete Ofarims öffentliches Auftreten als eine Form von "Opferrolle". Unterdessen halten die Debatten über Medienverantwortung und Antisemitismus in der Unterhaltungsbranche an.

RTLs Versuch, mit Raabs Rückkehr die Quoten zu steigern, hatte bisher nur begrenzte Konsequenzen. Weder der Sender noch Raab dürften langfristig unter dem Skandal leiden – auch wenn die Diskussionen über Antisemitismus im deutschen Fernsehen weitergehen.

Die Angelegenheit hinterlässt eine gespaltene Öffentlichkeit: Einige verurteilen RTLs Umgang mit der Situation, andere halten die Kontroverse für übertrieben. Ofarims Vorgeschichte mit falschen Behauptungen und die Wortwahl im Sketch halten die Debatte am Leben.

RTL nahm die Folge zwar von seiner Plattform, doch die grundsätzliche Diskussion über Antisemitismus in Reality-TV und Comedy bleibt ungelöst. Der Fokus des Senders auf Einschaltquoten könnte zunehmend mit Forderungen nach verantwortungsvoller Medienrepräsentation kollidieren.