Baden-Württemberg plant zivile Infrastruktur für NATO-Krisenfälle umzufunktionieren
Gabor HethurLandeskommandeur: Können Parkhäuser als Bomben-Schutzräume dienen? - Baden-Württemberg plant zivile Infrastruktur für NATO-Krisenfälle umzufunktionieren
Baden-Württemberg bereitet sich auf die Möglichkeit eines großen Konflikts unter Beteiligung der NATO und Russlands vor. Landesbeamte haben Pläne vorgelegt, wie bestehende Infrastruktur und private Ressourcen für militärische Logistik genutzt werden könnten. Straßen, Schienennetze und sogar Parkhäuser könnten eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung von Operationen spielen.
Michael Giss, der Landeskommandeur der Bundeswehr in Baden-Württemberg, schlägt vor, zivile Einrichtungen für Kriegszwecke umzufunktionieren. Parkhäuser und S-Bahn-Stationen könnten als provisorische Schutzräume dienen, falls herkömmliche Bunker überlastet sind. Zudem betonte er, aus den Kriegsstrategien der Ukraine zu lernen, um das alltägliche Leben auch unter Krisenbedingungen aufrechterhalten zu können.
Innenminister Thomas Strobl, seit 2016 für den Zivilschutz zuständig, verstärkt die Abstimmung mit den kommunalen Behörden. Die Landratsämter sollen künftig eine aktivere Rolle in der Notfallplanung übernehmen. Strobls Schwerpunkte liegen auf dem Management von Schutzräumen und der Sicherstellung, dass die Landkreise schnell auf Krisen reagieren können. Auch private Unternehmen würden zur Unterstützung militärischer Maßnahmen herangezogen: Lkw von Zivilisten könnten Armee-Fahrzeuge betanken, während Firmen Lebensmittel und andere lebenswichtige Güter liefern. Giss rief Unternehmen dazu auf, sich auf plötzliche Produktionsumstellungen vorzubereiten – etwa die Massenfertigung kritischer Güter während Drohnenangriffen oder Lieferengpässen.
Die Pläne unterstreichen die mögliche Rolle Baden-Württembergs als logistisches Zentrum, sollte die NATO Artikel 5 aktivieren. Straßen, Brücken und Schienen müssten dann verstärkten Militärverkehr bewältigen, während private Ressourcen Lücken in den Versorgungsketten schließen würden. Die Verantwortlichen betonen, dass eine frühzeitige Vorbereitung dazu beitragen könnte, auch in einem längeren Konflikt Stabilität zu wahren.