06 January 2026, 09:23

Bremen feiert 200 Jahre Eiswette – warum der Schneider nie gewinnt

Eine Person in Kleidung fährt auf dem Eis mit Stöcken, die oben im Bild zu sehen sind.

Wette auf Kohl - Ist die Weser zugefroren? - Bremen feiert 200 Jahre Eiswette – warum der Schneider nie gewinnt

Jeden Januar findet in Bremen eine skurrile Tradition statt, die bis ins Jahr 1829 zurückreicht. Damals wetteten einige Kaufleute, ob die Weser so weit zufrieren würde, dass man sie zu Fuß überqueren könnte. Fast 200 Jahre später zieht das Ereignis noch immer Scharen von Zuschauern an – doch die Wette wurde nie gewonnen. Alles begann 1829, als 18 Bremer Kaufleute darauf setzten, dass der Fluss so stark gefrieren würde, dass ein Schneider mit einem glühenden Bügeleisen hinüberlaufen könnte. Der Preis? Ein gemeinsames Mahl aus Grünkohl und Wurst für die ganze Gemeinde. Der Test findet am dritten Samstag im Januar statt, wenn sich etwa 800 Gäste versammeln, um zuzuschauen. Ein Schauspieler, verkleidet als Schneider, betritt mit dem Bügeleisen das Eis. Doch seit Jahrzehnten fällt das Urteil stets gleich aus: „De Werser geiht!“ („Die Weser fließt!“). Der Schneider schafft es nie ans andere Ufer, und die Seenotretter stehen bereit, um im Notfall einzugreifen. Die Tradition wird seit 1829 fast jedes Jahr fortgeführt. Die Spenden aus der Veranstaltung kommen dem örtlichen Schneiderrettungsdienst zugute. Trotz des vorhersagbaren Ausgangs bleiben das Festmahl und das Spektakel ein beliebter Teil des Bremer Winterkalenders. Das „Eiswett-Fest“ hält die Geschichte lebendig und sammelt gleichzeitig Geld für einen guten Schneider. Auch wenn der Schneider nie gewinnt, bringt das Ereignis die Menschen jeden Januar zusammen. Dass die Weser fließt, ist gewiss – doch die Feierlichkeiten und der Grünkohl mit Wurst sind garantiert.