Bundesregierung lehnt Kapazitätsmarkt ab – doch die Energiedebatte geht weiter
Hans-Jürgen PeukertBundesregierung lehnt Kapazitätsmarkt ab – doch die Energiedebatte geht weiter
Die deutsche Bundesregierung hat die Einführung eines Kapazitätsmarktes für Strom ausgeschlossen – trotz wachsendem Druck seitens der Energieunternehmen. Mit dieser Entscheidung bleibt das Land bei seinem bestehenden "Energy-Only-Markt", in dem Reservekraftwerke oft kaum profitabel arbeiten können. Fachleute warnen jedoch, dass die Debatte über Kapazitätszahlungen damit noch lange nicht beendet ist.
Bei Kapazitätsmärkten zahlen Verbraucher nicht für den tatsächlichen Stromverbrauch (Kilowattstunden), sondern für die bereitgestellte Leistung (Kilowatt) – ähnlich wie bei Flatrates für mobiles Internet. Dieses Modell setzt sich in anderen europäischen Ländern zunehmend durch. Deutschland lehnt es jedoch ab und setzt stattdessen auf eine "strategische Reserve" von 2,6 Gigawatt an Notfallkraftwerken, die im Bedarfsfall aktiviert werden können.
Im aktuellen System arbeiten einige Reservekraftwerke in Deutschland mit Verlusten. Energieversorger dürfen diese unwirtschaftlichen Anlagen nicht ohne Genehmigung der Bundesnetzagentur stilllegen. Gleichzeitig macht der geplante Ausstieg aus der konventionellen Energie den Bau neuer fossiler Kraftwerke unwirtschaftlich.
E.ON, einer der größten Energieanbieter Deutschlands, betont, dass die Frage der Kapazitätsvergütung weiter bestehen bleibe. Craig Morris, Hauptautor des Buches Die deutsche Energiewende und Direktor von Petite Planète, verweist auf die anhaltende Spannung zwischen Markteffizienz und Netzstabilität.
Mit der Ablehnung des Kapazitätsmarktes bleibt Deutschlands Energy-Only-System bestehen. Die strategische Reserve bleibt ein zentrales Instrument für Notfälle, wird jedoch nur selten genutzt. Angesichts der sinkenden Wirtschaftlichkeit konventioneller Kraftwerke prägt die Energiewende weiterhin die politischen Weichenstellungen des Landes.






