Wie Deutschlands Atomausstieg 2011 die Stromversorgung überraschend stabil hielt
Verena KramerWie Deutschlands Atomausstieg 2011 die Stromversorgung überraschend stabil hielt
Deutschlands Atomausstieg 2011: Wie die Energiewende die Stromversorgung stabil hielt
Die Entscheidung Deutschlands, nach der Fukushima-Katastrophe fast die Hälfte seiner Atomkraftwerke abzuschalten, löste 2011 eine Debatte über die Energiesicherheit aus. Kritiker fragten sich, ob das Land dadurch stärker auf ausländischen Atomstrom angewiesen wäre. Doch entgegen den Befürchtungen blieb der Stromhandel mit den Nachbarländern stabil – und entwickelte sich in den folgenden Jahren sogar noch dynamischer.
Noch in der Woche nach Fukushima nahm Deutschland acht seiner 17 Reaktoren vom Netz. Der plötzliche Kapazitätsverlust ließ Beobachter vor Stromausfällen oder einer erhöhten Importabhängigkeit warnen. Gegner des Atomausstiegs argumentierten, die Stilllegung inländischer Meiler werde Deutschland lediglich zwingen, Atomstrom aus Ländern wie Tschechien oder Frankreich zu beziehen.
Doch bereits vor dem beschlossenen Ausstieg hatten Energieanalysten des Fachdienstes Montel ein Überangebot in der deutschen Stromerzeugung festgestellt. Atomkraftwerke, die nahezu konstant laufen, konnten kaum auf Nachfrageschwankungen reagieren. Dennoch blieb der grenzüberschreitende Stromhandel entgegen den Erwartungen unbeeinträchtigt.
In den Jahren 2011, 2012 und 2013 vermeid Deutschland nicht nur Engpässe, sondern wurde sogar zum Nettostromexporteur. Die Exporte stiegen deutlich – ein Beweis dafür, dass das Netz den Wegfall der Atomkapazitäten verkraftete. Der Energieexperte Craig Morris wies Vorwürfe zurück, Deutschland importiere mehr Atomstrom, und bezeichnete dies als physikalisch unmöglich. Österreich ging später einen eigenen Weg und verbot 2015 komplett den Import von Atomstrom.
Ein Artikel des Spiegel aus dem September 2011 hatte behauptet, Deutschland beziehe vermehrt Atomstrom aus dem Ausland. Doch die Handelsdaten zeigten keinen nennenswerten Anstieg der Abhängigkeit von ausländischem Atomstrom. Stattdessen schlossen erneuerbare Energien und bestehende fossile Kraftwerke die Lücke, die durch die abgeschalteten Reaktoren entstanden war.
Der deutsche Atomausstieg führte somit nicht zu dem prognostizierten Anstieg an importiertem Atomstrom. Das Land blieb Nettoexporteur, und die Stromflüsse mit den Nachbarländern verliefen wie zuvor. Die Entwicklung zeigte, wie eine grundlegende energiepolitische Wende gelingen kann, ohne den regionalen Handel oder die Versorgungsstabilität zu gefährden.






