Bundestag plant Löschung von Unternehmens-IDs – Forscher schlagen Alarm
Hans-Jürgen PeukertBundestag plant Löschung von Unternehmens-IDs – Forscher schlagen Alarm
Der Deutsche Bundestag prüft derzeit einen Gesetzentwurf, der die Löschung von Unternehmensidentifikationsnummern nach einem Jahrzehnt vorschreibt. Diese eindeutigen Codes ermöglichen es Forschenden, Unternehmen über längere Zeiträume hinweg zu verfolgen, indem sie verschiedene Datensätze verknüpfen. Kritiker warnen, dass dieser Schritt langfristige wirtschaftswissenschaftliche Studien schwer beeinträchtigen würde.
Das geplante Gesetz zielt darauf ab, die Vertraulichkeit zu stärken, indem die Unternehmenskenndaten nach zehn Jahren gelöscht werden. Befürworter argumentieren, dass damit sensible Geschäftsinformationen besser geschützt würden. Doch der Verein für Socialpolitik, der deutsche Wirtschaftsverband, hat sich in einem offenen Brief gegen die Einschränkung ausgesprochen und vor unbeabsichtigten Folgen gewarnt.
Das AFiD-Projekt, das vom Statistischen Bundesamt betrieben wird, nutzt diese Identifikationsnummern derzeit, um Datensätze sicher zusammenzuführen. Bestehende Schutzmechanismen verhindern bereits den Missbrauch vertraulicher Unternehmensdaten. Auch Theresia Bauer, die baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, lehnt die geplante Änderung ab und verweist auf die Risiken für die Forschung.
Ökonominnen und Ökonomen sind auf Längsschnittdaten angewiesen, um Entwicklungen in den Bereichen Beschäftigung, Produktivität und Innovation zu analysieren. Die Löschung der Identifikationsnummern würde diese Datenketten unterbrechen und es unmöglich machen, Unternehmen über mehrere Erhebungen hinweg zu verfolgen. Fachleute bestehen darauf, dass die Abgeordneten den Entwurf ablehnen sollten, um schwerwiegende Schäden für die wirtschaftliche Analyse zu vermeiden.
Sollte das Gesetz verabschiedet werden, wäre der Zugang zu Jahrzehnten verknüpfter Unternehmensdaten versperrt. Forschende verlören die Möglichkeit, langfristige Unternehmensleistungen und wirtschaftliche Verschiebungen nachzuvollziehen. Ohne diese Identifikationsnummern könnten politische Entscheidungen die notwendige empirische Grundlage entbehren, die für Wachstum und Stabilität erforderlich ist.






