Freiburger Handwerk wächst so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr – doch Lehrstellen bleiben leer
Ludger RörrichtFreiburger Handwerk wächst so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr – doch Lehrstellen bleiben leer
Handwerksbranche in Freiburg verzeichnet stärkstes Wachstum seit 20 Jahren
Die Handwerksbranche in Freiburg erlebt den stärksten Aufschwung seit zwei Jahrzehnten. Aktuelle Zahlen zeigen einen Anstieg der Ausbildungsverträge um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Lehrstellen in Freiburg und Offenburg deutlich hinter dem Angebot zurück.
In Freiburg übersteigt die Zahl der freien Ausbildungsplätze die Bewerberzahlen bei Weitem: Im Ausbildungsmarkt 2025 kommen auf jeden Interessenten fünf offene Stellen. Dennoch bleiben viele Positionen unbesetzt, da die Qualifikationen der Bewerber oft nicht den Anforderungen der Betriebe entsprechen.
Die Handwerkskammer Freiburg verweist auf einen bemerkenswerten Trend: 27 Prozent der neuen Auszubildenden besitzen eine ausländische Staatsbürgerschaft. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein meldet, dass jeder fünfte neue Azubi aus dem Ausland stammt. Dies deutet darauf hin, dass das Handwerk zunehmend junge Menschen mit Migrationshintergrund anzieht. Spitzenreiter bei den Ausbildungsverträgen ist der Hotel- und Gastgewerbebereich, während industrielle Berufe weiterhin mit Nachwuchssorgen kämpfen. Wirtschaftliche Herausforderungen haben den Markt bisher nicht destabilisiert – sowohl in Freiburg als auch in Offenburg wird die Lage als stabil beschrieben. Drei Viertel der Betriebe planen zudem, ihre Auszubildenden nach der Lehre dauerhaft zu übernehmen. In Offenburg zeigt sich ein ähnliches Bild: Auch hier gibt es deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber. Trotz Rückgängen in industriellen Branchen bleibt der Ausbildungsmarkt insgesamt stabil.
Die Daten offenbaren eine wachsende Abhängigkeit von ausländischen Auszubildenden, um Fachkräftelücken zu schließen. Da viele Stellen weiterhin unbesetzt bleiben, setzen Betriebe zunehmend auf langfristige Bindung ihrer Azubis. Der Trend deutet auf einen strukturellen Wandel der Belegschaften in der Region hin – getrieben von wirtschaftlicher Stabilität und demografischen Veränderungen.