08 February 2026, 23:01

Geisterparade feiert 35 Jahre mit Protest gegen Kölner Wohnungsnot

Eine Gruppe von Menschen geht neben einem Lastwagen mit bunten Luftballons die Straße entlang, mit Schildern an der Straße und Bäumen und Gebäuden im Hintergrund, was auf eine Pride-Parade in Paris hindeutet.

Geisterparade feiert 35 Jahre mit Protest gegen Kölner Wohnungsnot

Kölner Geisterparade feiert 35. Jubiläum mit tausenden Demonstranten auf den Straßen

Was 1991 als Friedensprotest begann, hat sich längst zu einem farbenfrohen, politisch aufgeladenen Großereignis entwickelt. In diesem Jahr stand die Parade ganz im Zeichen der Kölner Wohnungsnot.

Mit einer klaren Botschaft startete der Umzug: "Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik—mer können nit all em Dom schlofe" ("Höchste Zeit für eine andere Wohnungspolitik – wir können nicht alle im Dom schlafen"). Über die Jahrzehnte hinweg haben sich die Themen gewandelt: von lokaler Satire in den 1990er-Jahren bis hin zu gesellschaftskritischen Positionen, die sich mit Gentrifizierung, explodierenden Mieten oder auch den Corona-Beschränkungen der letzten Jahre auseinandersetzten.

Verkleidet als Geister, Hexen und Fabelwesen zogen die Teilnehmer durch die Stadt, viele mit Plakaten zur Wohnungsfrage. Kreative Wagen – darunter ein riesiger Tintenfisch aus Plastikflaschen und die verspielten "Schnappviecher" – schlängelten sich durch die Straßen. Anders als beim traditionellen Karneval wurden keine Süßigkeiten geworfen, um das Event umweltfreundlich zu halten.

Erich Hermans, langjähriger Organisator und als Ähzebär (Eisbär im kölschen Dialekt) verkleidet, führte wie seit Anbeginn den Zug an. Statt mit einer Abschlusskundgebung endete die Parade in diesem Jahr mit einem Fest im Kulturzentrum Odonien. Live-Musik und Bühnenauftritte rundeten den Abend ab – ein ungewöhnlich festlicher Akzent für eine Veranstaltung, die eigentlich im Protest verwurzelt ist.

Die Geisterparade bleibt ein Ort des politischen Ausdrucks, der sich von seinen antimilitaristischen Anfängen hin zu aktuellen städtischen Herausforderungen weiterentwickelt hat. Der diesjährige Fokus auf Wohnungsnot spiegelt die drängenden Probleme Kölns wider, während das Jubiläumsfest sowohl Kontinuität als auch Wandel symbolisierte. Die Veranstaltung wächst Jahr für Jahr – und bewahrt dabei ihren basisdemokratischen Charakter.