14 March 2026, 14:33

Ist Soul-Sängerin Sienna Rose nur eine KI-Erfindung mit Millionenumsätzen?

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht in ein Mikrofon vor einer Wand und scheint eine Erklärung abzugeben.

AI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Soul-Sängerin Sienna Rose nur eine KI-Erfindung mit Millionenumsätzen?

KI-generierte Musik: Eine Soul-Sängerin auf Spotify entfacht Debatte über Echtheit und Transparenz

Eine beliebte Soul-Sängerin auf Spotify steht im Mittelpunkt einer wachsenden Debatte über KI-generierte Musik. Sienna Rose, die fast zwei Millionen monatliche Hörer verzeichnet, wird verdächtigt, kein echter Mensch, sondern eine künstliche Schöpfung zu sein. Recherchen zu ihren Ursprüngen förderten Verbindungen zu einem russischen Unternehmen zutage, das auf KI-Musik spezialisiert ist – und werfen damit Fragen zur Transparenz in der Branche auf.

Die Kontroverse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem große Plattformen wie Spotify, Apple Music und Deezer neue Maßnahmen einführen, um KI-generierte Inhalte entsprechend zu kennzeichnen. Angesichts von Millionen potenzieller Einnahmen werfen Kritiker den Streamingdiensten vor, Profit über künstlerische Authentizität zu stellen.

Erste Zweifel an Sienna Rose kamen auf, weil sie in kurzer Zeit eine Flut von Songs veröffentlichte, nie live auftrat und kaum Präsenz in sozialen Medien zeigte. Ihr Spotify-Profil zeigt eine junge Frau mit Afro-Look und eine Biografie, die sie als "Geschichtenerzählerin des Herzens" bezeichnet. Trotz ihrer Popularität fanden Internet-Detektive kaum handfeste Beweise für ihre Existenz jenseits digitaler Plattformen.

Eine Untersuchung des Bayerischen Rundfunks verfolgte ihre Spuren bis zu einer russischen Internetverbindung. Das Team brachte sie mit dem Label Nostalgic Records in Verbindung, das für KI-generierte Künstler bekannt ist, sowie mit Maksim Muravjov, einer Person mit Bezügen zum KI-Experten Hafsteinn Runarsson. Dieser hatte bereits Pop-Avatare erschaffen und Kurse zum Vermarkten von KI-Musik geleitet. Die BBC schätzt, dass Sienna Rose ihren Machern wöchentlich über 2.000 Euro einbringt – hochgerechnet rund eine Million Euro pro Jahr.

Die Skepsis verstärkte sich, als die ursprüngliche Version von Sienna Rose mit roten Haaren nach Bekanntwerden der Ermittlungen aus den sozialen Medien verschwand. Nur die Variante mit Afro ist noch auf Spotify aktiv. Weitere Zweifel kamen auf, als Selena Gomez in einem Instagram-Post einen Song von Rose verwendete – was sowohl virale Aufmerksamkeit als auch breite Spottwellen über ihre angebliche Unechtheit auslöste.

Die Diskussion um KI-Musik beschränkt sich nicht auf Sienna Rose. Deezer berichtet, dass täglich rund 60.000 vollständig KI-erzeugte Tracks auf der Plattform hochgeladen werden. Eine Studie ergab, dass 97 Prozent der Hörer nicht zwischen KI-generierter und menschengemachter Musik unterscheiden können. Der YouTuber Rick Beato wirft Spotify vor, KI-Musik aus finanziellen Gründen zu pushen – bei potenziellen Millionenumsätzen.

Die Streamingdienste reagieren nun mit mehr Transparenz: Apple Music führte "Transparenz-Kennzeichnungen" ein, um KI-Inhalte in Musik, Artwork und Videos zu markieren. Spotify will den DDEX-Branchenstandard für Metadaten nutzen, damit Nutzer KI-Tracks identifizieren können. Deezer setzt hingegen auf Erkennungssysteme, um betrügerische KI-Musik zu blockieren, die für Royalty-Betrug missbraucht wird.

Der Fall Sienna Rose zeigt die Herausforderungen auf, echte von KI-generierten Künstlern zu unterscheiden. Mit den neuen Kennzeichnungssystemen der Plattformen könnten Hörer bald klarer erkennen, ob Musik von Menschen oder Algorithmen stammt. Die finanziellen Anreize hinter solchen Kreationen bleiben jedoch beträchtlich – während Unternehmen weiterhin die Profitabilität künstlicher Talente ausloten.

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