03 January 2026, 11:13

Kaufland in Mosbach testet Arzt-Sprechstunden per Video gegen Hausärztemangel

Ein Krankenwagen steht auf der linken Seite einer Straße, während auf der rechten Seite ein Zelt eine Gruppe von Menschen schützt, mit einem Tisch und einem Stuhl in der Nähe.

Supermarkt testet Arzttermine zwischen Käse und Kasse - Kaufland in Mosbach testet Arzt-Sprechstunden per Video gegen Hausärztemangel

Supermarkt in Mosbach bietet Arzt-Sprechstunden per Video an – gegen den Hausärztemangel auf dem Land

Ein Supermarkt in Mosbach hat als Reaktion auf den wachsenden Mangel an Hausärzten in ländlichen Regionen ein Pilotprojekt gestartet: die „S Medical Room“-Sprechstunde. Das Angebot, das in einem Kaufland-Markt angesiedelt ist, soll den Zugang zu grundlegender medizinischer Beratung erleichtern. Neben der Schließung von Versorgungslücken hofft das Projekt auch, mehr Kunden in den Supermarkt zu locken.

Die „S Medical Room“ ist eine Kooperation zwischen der Schwarz Gruppe, zu der Kaufland gehört, und dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Neckarsulm. Während der Supermarkt die Räumlichkeiten und die technische Ausstattung stellt, führen Ärzte des MVZ die Fernberatungen durch. Patienten können Termine für kleinere Beschwerden wie Husten, Erkältungen oder Halsschmerzen buchen – als erste Anlaufstelle vor einer persönlichen Behandlung.

Das Projekt startet zu einer Zeit, in der Deutschland unter einem massiven Hausärztemangel leidet. Bundesweit sind über 5.000 Stellen für Allgemeinmediziner unbesetzt, allein in Baden-Württemberg fehlen rund 1.000 Ärzte. Zwei Drittel der derzeit praktizierenden Hausärzte in der Region sind älter als 60 Jahre, und viele finden keine Nachfolger. Der lokale Hausärzteverband begrüßt das Mosbacher Modell als sinnvolle Ergänzung für die ausgedünnte Gesundheitsversorgung.

Mosbach ist mit diesem Experiment nicht allein: Auch andere Unternehmen außerhalb des klassischen Gesundheitssektors testen ähnliche Konzepte. Drogerieketten wie dm, Lidl und Rossmann bereiten sich darauf vor, rezeptfreie Medikamente und Gesundheitsprodukte anzubieten – und wollen so mit medizinischen Zusatzleistungen Kunden gewinnen.

Bisher bleibt das Mosbacher Pilotprojekt ein Einzelvorhaben ohne konkrete Pläne für eine Ausweitung. Dennoch zeigt das Modell, wie Unternehmen auf den wachsenden Ärztemangel in Deutschland reagieren. Für Patienten auf dem Land bietet es einen schnelleren Weg zu medizinischem Rat – und den Supermärkten einen zusätzlichen Grund, besucht zu werden.