Kretschmanns bewegender Abschied nach 44 Jahren im baden-württembergischen Landtag
Gabor HethurNach 46 Jahren: Kretschmann hält letzte Rede im Landtag - Kretschmanns bewegender Abschied nach 44 Jahren im baden-württembergischen Landtag
Winfried Kretschmann hat nach seinem Verzicht auf eine Kandidatur bei den Landtagswahlen in Thüringen im März seine Abschiedsrede vor dem baden-württembergischen Landtag gehalten. Der 76-Jährige, der 1980 erstmals in das Landesparlament einzog, bezeichnete seine jahrzehntelange Tätigkeit als "die Hälfte meines Lebens" und eine tiefe Ehre.
Kretschmann begann seine politische Laufbahn 1980 im Landtag und ist seit 1996 ohne Unterbrechung Abgeordnete. Als dienstältester Ministerpräsident des Landes seit 2011 nutzte er seine Abschiedsworte, um die Bürgerinnen und Bürger aufzurufen, die Bedeutung des Parlaments für den Alltag anzuerkennen. Die dort gefällten Entscheidungen, so betonte er, prägen die Zukunft der Menschen direkt.
Er warnte davor, die parlamentarische Arbeit als bloße Routine zu betrachten, und forderte Debatten, die auf Fakten und verfassungsmäßigen Grundsätzen basieren. An die Stelle leerer Formalien müsse ein zivilisierter Dissens treten, mahnte er. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass der Einfluss des Landtags durch Föderalismus und die Zentralisierungstendenzen der EU weiterhin herausgefordert werde.
Trotz dieser Spannungen stellte Kretschmann fest, dass die Rolle des Bundesrates seit Jahrzehnten stabil geblieben sei. Das Gremium vertrete weiterhin die Länderinteressen bei der Bundesgesetzgebung und benötige für etwa 60 Prozent der Gesetze, die Länderkompetenzen berühren, seine Zustimmung. Aktuelle Beispiele wie die Verabschiedung des WDModG durch den Bundesrat im Dezember 2025 zeigten, dass dessen Vetorecht und Mitentscheidungsbefugnis unvermindert bestehe – ohne die Autonomie des Landtags zu schmälern.
Nach seiner Rede würdigten Abgeordnete aller Fraktionen Kretschmann mit stehenden Ovationen und lang anhaltendem Applaus.
Mit Kretschmanns Abschied endet eine 44-jährige politische Karriere im Landtag. Sein Appell für eine sachliche, faktenbasierte Debattenkultur spiegelt seinen langjährigen Regierungsstil wider. Die anstehenden Landtagswahlen werden entscheiden, wer ihm als Ministerpräsident im Bundestag nachfolgt.