Mainzer Fastnacht bricht mit 200-jähriger Tradition – erstmals eine Frau an der Spitze
Verena KramerFrauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Fastnacht bricht mit 200-jähriger Tradition – erstmals eine Frau an der Spitze
Die 71. Ausgabe der Mainzer Fastnachtsitzung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" bricht mit 200-jähriger Tradition
Zum ersten Mal in fast zwei Jahrhunderten hat die berühmte Mainzer Karnevalssitzung mit Christina Grom eine Frau an die Spitze des Protokolls berufen. Die 71. Ausgabe des Kultformats markiert damit einen historischen Wandel – ohne dabei auf scharfe Satire und bewährte Figuren zu verzichten.
Jürgen Wiesmann gab in seiner 25. Spielzeit als "Ernst Lustig" erneut eine glanzvolle Vorstellung und sorgte mit klassischem Karnevalshumor für Lacher im Publikum. Der erfahrene Moderator Andreas Schmitt schloss die Sitzung in seiner Rolle als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms ab – auch wenn er die Veranstaltung 2025 krankheitsbedingt verpassen wird.
Politisch hielt sich die Truppe nicht zurück: Schmitt spottete, die "todsündigen" Eskapaden von Kardinal Müller und Woelki seien kaum zu übersehen. An Papst Leo XIV. richtete er einen scherzhaften Appell, in Sachen Gleichberechtigung in der katholischen Kirche endlich Tempo zu machen. Grom scherzte unterdessen, man könne Donald Trumps "aufgeblähten Ego" notfalls mit der Gutenberg-Bibel "zurechtstutzen" – eine humorvolle Spitze gegen den ehemaligen US-Präsidenten.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mussten sich die üblichen satirischen Seitenhiebe gefallen lassen. Grom trieb gar den Spott mit der Wehrpflicht auf die Spitze und schlug vor, Rekruten künftig per Losverfahren einzuberufen. Die Mischung aus Tradition und frischem Witz bewies einmal mehr den ungebrochenen Charme der Veranstaltung.
2026 schrieb die Sitzung mit Grom an der Spitze Geschichte – ohne ihren satirischen Biss zu verlieren. Schmitts Rückkehr und Wiesmanns langjährige Präsenz sorgten für Kontinuität im Wandel. Mit dem bewährten Mix aus alten Bräuchen und neuen Ideen verließ das Publikum gut gelaunt den Saal – und freut sich schon auf das nächste Jahr.