10 June 2026, 16:39

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival FID Marseille zurück

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival FID Marseille zurück

Der israelische Regisseur Nadav Lapid steht im Mittelpunkt einer wachsenden Kontroverse, nachdem seine geplante Rolle als Jurymitglied beim internationalen Filmfestival FID Marseille bekannt wurde. Ein kultureller Boykott gegen ihn hat eine breite Debatte ausgelöst, an der sich über 350 Branchenvertreter beteiligt haben. Der Streit führte nun zu seinem Rückzug von der Veranstaltung.

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Ausgelöst wurde die Kontroverse durch Lapids Einladung in die Festivaljury. Als scharfer Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu lebt er seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben.

Etwa zehn Filmemacher zogen ihre Werke aus Protest vom Festival zurück, was Lapid schließlich zum vollständigen Rücktritt zwang. Zwar willigte er ein, um weitere Probleme für die Veranstaltung zu vermeiden, äußerte später jedoch Frustration über den wachsenden Druck. Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, die ebenfalls ihre Teilnahme zurückzog, wies Vorwürfe der Zensur zurück.

In Le Monde erschienen zwei offene Briefe zur Verteidigung Lapids. Einer, unterzeichnet von Persönlichkeiten wie Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, verurteilte den Boykott. Der andere, verfasst von Kollegen, die mit ihm zusammengearbeitet hatten, warnte vor einer „Einschüchterungskampagne“ und hinterfragte die Logik des Boykotts. Beide Briefe betonten die Notwendigkeit, sich gegen einen besorgniserregenden Präzedenzfall zu stellen.

Lapids Rückzug vom Festival unterstreicht die Spannungen rund um kulturelle Boykotte. Die Unterstützerschreiben argumentieren, dass solche Maßnahmen die künstlerische Freiheit bedrohen. Der Vorfall wirft Fragen über die weiteren Auswirkungen auf Kultureinrichtungen und zukünftige Kooperationen auf.

Quelle