Organspende-Reform: Soll Deutschland 2030 zum Widerspruchsmodell wechseln?
Verena KramerOrganspende-Reform: Soll Deutschland 2030 zum Widerspruchsmodell wechseln?
Eine überparteiliche Gruppe deutscher Abgeordnete drängt auf eine grundlegende Reform des Organspenderechts. Ihr Vorschlag sieht vor, das aktuelle System bis 2030 auf ein Widerspruchsmodell umzustellen. Das würde bedeuten, dass jeder Erwachsene automatisch als Spender gilt, es sei denn, er lehnt dies aktiv ab.
Die Pläne haben bereits heftige Reaktionen ausgelöst – einige Politiker bezeichnen sie als „Eingriff in Grundrechte“. Die Debatte wird im Bundestag geführt und überwindet dabei die üblichen Parteigrenzen.
Derzeit setzt Deutschland auf die ausdrückliche Zustimmung zur Organspende, entweder durch den Betroffenen selbst oder durch Angehörige. Im neuen System würde die Zustimmung jedoch vorausgesetzt, sofern keine formelle Ablehnung vorliegt.
Der Reformdruck entsteht vor dem Hintergrund eines massiven Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage: Bundesweit warten etwa 8.200 Menschen auf ein Spenderorgan, obwohl die Spendenzahlen in diesem Jahr um 12 Prozent gestiegen sind. Bis Ende Mai 2026 wurden 1.405 Organe gespendet – im Vergleich zu 1.253 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Besonders stark war der Anstieg in Berlin: Die Hauptstadt verzeichnete von Januar bis Mai 2026 insgesamt 73 Spenderorgane, fast doppelt so viele wie die 39 im Vorjahreszeitraum. Dennoch warten allein in der Hauptstadt noch über 400 Menschen auf eine Transplantation. Bisher wurden dort 2026 erst 140 Eingriffe durchgeführt.
Das geplante Widerspruchsmodell soll den anhaltenden Mangel an Spenderorganen bekämpfen. Sollte es verabschiedet werden, wäre dies ein bedeutender Wandel in der deutschen Organspendepolitik. Die anstehende Bundestagsdebatte wird zeigen, ob die Reform vorankommt oder auf weiteren Widerstand stößt.






