Palmer und Özdemir: Wie ein parteiloser Ex-Grüner die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg prägt
Hans-Jürgen PeukertPalmer und Özdemir: Wie ein parteiloser Ex-Grüner die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg prägt
Boris Palmer, der parteilose Oberbürgermeister von Tübingen, ist vor der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg zu einer zentralen politischen Figur geworden. Der ehemalige Grüne-Politiker berät Cem Özdemir, den Spitzenkandidaten der Grünen, nun in Fragen zu Wohnungsbau, Klimapolitik und Regierungsführung. Ihre enge Zusammenarbeit nährt Spekulationen über Palmers künftige Rolle in der Landesregierung.
Palmer verließ die Grünen 2023, behielt jedoch sein Amt als Oberbürgermeister und gewann durch einen pragmatischen Kurs an Einfluss. Aktuelle Umfragen sehen die Grünen bei 20 Prozent – hinter der CDU mit 29 Prozent –, doch 39 Prozent der Befragten befürworten eine Landesrolle für Palmer. Erst kürzlich traute er Özdemir als Standesbeamter, was ihre persönliche und berufliche Verbindung unterstreicht.
Özdemir bezeichnete Palmer als "sehr wichtigen Berater" und deutete eine mögliche Kabinettsposition nach der Wahl an. Beide betonen ihre Freundschaft und arbeiten eng in Sachfragen zusammen. Özdemir machte jedoch klar, dass er niemandem ein Amt geben werde, der aktiv dafür wirbt – eine Regel, die Palmer nicht brach, da er die Position nie öffentlich einforderte.
Der Grüne-Chef kritisierte zudem eine mögliche Koalition aus CDU, SPD und FDP als Wiederholung des gescheiterten "Ampel"-Bündnisses auf Bundesebene. Er warnte vor einer Regierung unter einem unerfahrenen Ministerpräsidenten und bezeichnete eine solche Koalition als instabil. Seine Äußerungen richteten sich gegen Manuel Hagels Bemühungen um ein Dreierbündnis, das Özdemir als "Lindner gegen Scholz 2.0" abtat – ein Verweis auf frühere Konflikte in der Bundespolitik.
Mit der nahenden Landtagswahl könnten Palmers pragmatischer Stil und Özdemirs strategische Ausrichtung die politische Landschaft Baden-Württembergs neu prägen. Umfragen zeigen starke öffentliche Unterstützung für Palmer, während die Grünen versuchen, den Rückstand auf die CDU zu verringern. Der Wahlausgang könnte davon abhängen, ob ihre Partnerschaft in eine regierungsfähige Mehrheit mündet.






