Reclam bringt Herbert Grönemeyers Songtexte in die Klassiker-Reihe
Verena KramerReclam bringt Herbert Grönemeyers Songtexte in die Klassiker-Reihe
Verlag Reclam erweitert seine Klassiker-Reihe um moderne Songtexte
Der deutsche Verlag Reclam baut seine Reihe klassischer Literatur um zeitgenössische Liedtexte aus. Dieser Schritt folgt auf den Erfolg der Texte von Die Ärzte, die im vergangenen Jahr zu einem der Bestseller des Hauses wurden. Noch vor 2025 sollen nun auch Werke von Herbert Grönemeyer und der verstorbenen Rosenstolz-Sängerin Anna R. in die Sammlung aufgenommen werden.
Reclam ist seit langem für seine handlichen, preiswerten Ausgaben klassischer Texte bekannt, die häufig im Schulunterricht verwendet werden. Traditionell prägten diese Ausgaben – etwa Goethes Faust – die deutsche Kulturidentität. In den letzten Jahren hat der Verlag jedoch begonnen, auch moderne Songtexte in sein Programm aufzunehmen.
Das Liedtextbuch von Die Ärzte, gespickt mit skurrilen Anspielungen auf das Hubble-Teleskop oder Modenikonen wie Lagerfeld und Joop, verkaufte sich außergewöhnlich gut. Auch die Texte von Tocotronic erschienen in derselben Reihe. Bob Dylans Werke hingegen wurden in einer rot gebundenen Reclam-Ausgabe veröffentlicht, die sonst für fremdsprachige Texte reserviert ist. Noch in diesem Jahr folgen nun die Liedtexte von Herbert Grönemeyer und Anna R., der verstorbenen Frontfrau von Rosenstolz, im gleichen Format. Bisher wurden noch keine neuen Bands für künftige Ausgaben angekündigt, doch Lyrik-Anthologien wie Anton G. Leitners Jede Jahreszeit ist schön bleiben Teil von Reclams Plänen. Unabhängig davon wagt sich der französische Autor Michel Houellebecq mit einem kommenden Album und einer Tournee an die Musik heran.
Reclams Entscheidung, moderne Songtexte zu veröffentlichen, spiegelt einen Wandel wider: Der Verlag definiert kulturelle Bedeutung neu. Der Erfolg des Ärzte-Bändchens deutet auf ein großes Leserinteresse an zeitgenössischem Liedgut hin. Mit den anstehenden Veröffentlichungen von Grönemeyer und Anna R. setzt die Reihe ihre Brückenfunktion zwischen klassischer Literatur und populärer Musik fort.