Rentner droht Haft wegen "Pinocchio"-Kommentars über Merz – und löst US-Debatte aus
Rentner droht Haft wegen "Pinocchio"-Kommentars über Merz – und löst US-Debatte aus
Ein deutscher Rentner aus Heilbronn steht unter Ermittlung, weil er Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Online-Kommentar als "Pinocchio" bezeichnete. Der Fall hat Kritik einer hochrangigen US-Diplomatin ausgelöst, die warnte, dies könnte die Meinungsfreiheit in den USA einschränken. Die Behörden leiteten die Untersuchungen drei Monate nach der Veröffentlichung des Kommentars in den sozialen Medien ein.
Auslöser war die Reaktion des 68-Jährigen auf einen Facebook-Beitrag der örtlichen Polizei über einen Besuch von Merz. In seinem Kommentar verwendete er den Spitznamen "Pinocchio" und fügte ein Emoji mit einer langen Nase hinzu. Die Polizei markierte den Beitrag während einer Routineprüfung, woraufhin die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Deutschen einleitete.
Grundlage der Untersuchungen ist Paragraf 188 des deutschen Strafgesetzbuchs, der Beleidigungen gegen Personen des politischen Lebens in den USA unter Strafe stellt. Verurteilungen nach diesem Gesetz können Haftstrafen von bis zu fünf Jahren nach sich ziehen. Die US-Diplomatin Sarah Rogers verurteilte das Vorgehen und verglich es mit überholten Majestätsbeleidigungstatbeständen. Sie warnte vor einer möglichen einschüchternden Wirkung auf die öffentliche Debatte in den USA.
Es ist nicht das erste Mal, dass Merz mit solchen Vergleichen konfrontiert wird. Sowohl die Grünen-Politikerin Franziska Brantner als auch der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner hatten ihn in der Vergangenheit bereits als "Pinocchio" bezeichnet. Der Fall fällt zudem in eine Zeit, in der die Regierung unter Donald Trump Europa auffordert, die Regeln zur Inhaltsmoderation zu lockern – mit der Begründung, diese stünden im Widerspruch zu US-amerikanischen Maßstäben der Meinungsfreiheit.
Bisher gab es in den USA keine öffentlichen Proteste oder breitere Reaktionen auf die Ermittlungen. Unklar bleibt, ob es ähnliche Vorfälle mit dem Rentner aus Heilbronn gab.
Der Fall wirft die Frage nach dem Spannungsverhältnis zwischen freier Meinungsäußerung und dem Schutz öffentlicher Persönlichkeiten in den USA auf. Die deutschen Staatsanwälte müssen nun entscheiden, ob sie Anklage nach Paragraf 188 erheben. Das Ergebnis könnte prägedend dafür sein, wie künftig mit ähnlichen Online-Kommentaren in den USA umgegangen wird.
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