06 February 2026, 15:46

Skandal um Appenweiers Bürgermeister endet mit historischer Absetzung nach Whisky-Affäre

Ein Plaza Mayor mit mehreren Gebäuden mit Fenstern, Geländern, Bäumen, Bänken, Mülltonnen, Pfählen, Drähten und dekorativen Flaggen in der Mitte, unter einem klaren blauen Himmel.

Streit um Bürgermeister - aber kein Kündigungsgrund - Skandal um Appenweiers Bürgermeister endet mit historischer Absetzung nach Whisky-Affäre

Viktor Lorenz, seit 2020 Bürgermeister von Appenweier, sieht sich nun mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Ihm werden Einschüchterung von Mitarbeitenden, Amtsmissbrauch und die Manipulation von Akten im Rathaus vorgeworfen. Der Skandal nahm seinen Lauf, nachdem Berichte über verschwundene Whiskyflaschen aufkamen – und damit eine breitere Prüfung seiner Amtsführung auslösten.

Lorenz war 2020 mit über 53 Prozent der Stimmen gewählt worden und hätte eigentlich bis Februar 2032 im Amt bleiben sollen. Doch seine Amtszeit war von Anfang an von Kontroversen überschattet. Eine erste Untersuchung ergab, dass fünf Whiskyflaschen nicht verzeichnet waren – nicht 50, wie zunächst behauptet – doch selbst diese vergleichsweise geringe Zahl löste größere Fragen zu seinem Verhalten aus.

Es wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, das später zwar eingestellt wurde. Dennoch erhielt Lorenz eine offizielle Rüge wegen "alkoholbezogenen Fehlverhaltens", das den erwarteten Standards nicht entsprach. Der Fall gewann weitere Brisanz, als das Regierungspräsidium Freiburg prüfte, ob ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden könnte.

Die öffentliche Meinung kippte Ende 2024, als die Ergebnisse der disziplinarischen Überprüfung veröffentlicht wurden. Was als vereinzelte Kritik begonnen hatte, wuchs zu breitem Ruf nach seinem Rücktritt. Bis Januar 2025 forderte die CDU-geführte Opposition seine Absetzung, und in ganz Südwestdeutschland kam es zu Protesten. Die Medienberichterstattung erreichte einen Höhepunkt, als der Gemeinderat über Lorenz' Zukunft debattierte.

Am 15. März 2025 stimmte der Gemeinderat schließlich für seine Absetzung. Bereits zuvor hatten seine Stellvertreter sowie die Gruppe "Mehr Demokratie" ein Abwahlverfahren gefordert – mit dem Argument, dass Bürgermeister, die "unhaltbar" geworden seien, vorzeitig aus dem Amt entfernt werden sollten. Nach geltendem Recht war Lorenz' Amtszeit jedoch bis 2032 geschützt, sodass die Entlassung die einzige Lösung blieb.

Versuche, die Lage zu beruhigen – etwa durch Gespräche zwischen Lorenz, Verwaltungsvertretern und Ratsmitgliedern –, scheiterten. Die disziplinarischen Feststellungen besiegelten schließlich sein politisches Schicksal.

Die Entscheidung des Regierungspräsidiums Freiburg, Lorenz abzusetzen, beendet ein turbulentes Kapitel für Appenweier. Seine Entlassung folgt auf Monate öffentlicher Empörung, politischen Drucks und medialer Aufmerksamkeit. Der Fall hat zudem die Debatte über Abwahlverfahren für lokale Amtsträger in ähnlichen Fällen neu entfacht.