16 March 2026, 00:27

Streit um abgelehnte Einbürgerung: Aktivist Bamdadi scheitert vor Stuttgarter Gericht

Eine Gruppe von Menschen auf dem Dach eines Gebäudes, die eine Fahne halten, mit einem Baum links und Glasfenstern im Hintergrund, wahrscheinlich protestieren sie zugunsten der deutschen Regierung.

Streit um abgelehnte Einbürgerung: Aktivist Bamdadi scheitert vor Stuttgarter Gericht

Ein Stuttgarter Gericht hat dem iranischen Staatsbürger Danial Bamdadi die Einbürgerung in Deutschland verwehrt. Zur Begründung verwies das Urteil auf seine Verbindungen zu gewaltbereiten linksextremistischen Gruppen. Der politische Aktivist Bamdadi kündigte an, gegen die Entscheidung vorzugehen – obwohl das Gericht eine Berufung abgelehnt hat.

Der Fall hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Linke Organisationen und Gewerkschaften stellen sich hinter Bamdadi. Über 17.000 Menschen unterzeichneten eine Petition zu seiner Unterstützung, während prominente Persönlichkeiten wie die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin seinem Anwaltsteam beitraten.

Bamdadis Antrag war aufgrund seiner Beteiligung an extremistischen Aktivitäten abgelehnt worden. 2017 wurde er wegen Körperverletzung an einem Kommunalpolitiker verurteilt. Vier Jahre später nahm er an einer Solidaritätskundgebung für inhaftierte Linksextremisten teil. Das Gericht urteilte, er habe sich nicht ausreichend von gewaltbereiten Organisationen distanziert – trotz seines Rechts auf politisches Engagement.

Die Entscheidung löste Kritik von Gewerkschaften und linken Gruppen aus. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die marxistisch-leninistische Zeitschrift Rote Fahne bekundeten Solidarität. Die IG Metall warf dem Gericht "Schuld durch Assoziation" vor und stellte die Glaubwürdigkeit der Erkenntnisse des Bundesamts für Verfassungsschutz infrage.

Bamdadi arbeitet derzeit für den Verein zur Bewahrung der Demokratie, eine Organisation, die sich für Bürgerrechte einsetzt. Sein Anwaltsteam, dem auch Däubler-Gmelin angehört, argumentiert, das Urteil setze ein gefährliches Präzedenzfall für politische Aktivisten. Obwohl das Verwaltungsgericht eine Berufung ausschloss, will Bamdadi den Beschluss auf anderem juristischem Weg anfechten.

Der Fall spiegelt allgemeine Trends in der deutschen Einbürgerungspolitik wider. 2024 genehmigte das Land mit 291.955 Antragen einen Rekordwert. Gleichzeitig stiegen auch die Ablehnungen: Allein 2025 wurden 10.616 Anträge abgelehnt. Seit 2020 zeigen Bundsdaten, dass neun Personen wegen mutmaßlicher Verbindungen zu gewaltbereiten Extremisten die Staatsbürgerschaft verweigert wurde – die meisten davon mit Bezug zu rechtsextremen Gruppen wie der NPD oder neonazistischen Netzwerken.

Für Bamdadi bedeutet die Entscheidung vorerst: keine deutsche Staatsangehörigkeit. Seine Unterstützer halten die Kritik aufrecht und werfen dem Gericht vor, politischen Widerspruch unfair zu bestrafen. Der Fall wirft zugleich grundsätzliche Fragen auf – über Sicherheitsbedenken und die Kriterien für Einbürgerungen in Deutschland.

AKTUALISIERUNG

2022 Ablehnung und Familienschicksal: Wichtige Hintergründe zum Fall Bamdadi

Die 2022 Ablehnung des Bürgerrechtsantrags von Bamdadi durch die Behörde Rems-Murr-Kreis offenbarte tiefere Spannungen. Im Jahr 2022 blockierte das Ausländeramt seinen Antrag, während es seinen Familienmitgliedern die Staatsbürgerschaft verlieh. Der Verfassungsschutz berief sich auf seine angebliche Führungsrolle in der Offenen Antifaschistischen Treffen Rems-Murr als Begründung. Bamdadi bestreitet diese Einstufung und argumentiert, dass die Behörde legale Aktivismus mit Extremismus verwechselt. Die Entscheidung von 2022 legte die Grundlage für die gerichtliche Entscheidung von 2026.