Tübinger Stadtwerke gründen neue Töchter für Elektromobilität und Ladeinfrastruktur
Verena KramerTübinger Stadtwerke gründen neue Töchter für Elektromobilität und Ladeinfrastruktur
Stadtwerke Tübingen gründet zwei neue Tochtergesellschaften, um seine Position auf dem Energiemarkt auszubauen. Der Schritt erfolgt zu einer Zeit, in der kommunale Versorger mehr Flexibilität anstreben, um wachsende Marktsegmente besser bedienen zu können. Eine der neuen Firmen, die Ecowerk e-charge, wird sich auf den Aufbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Tübingen und der umliegenden Region konzentrieren.
Parallel dazu betreibt die Ladestationen Südwest GmbH & Co. KG (LSG) mit Sitz in Zweibrücken bereits über 300 Ladestationen – Teil einer regionalen Initiative für nachhaltige Mobilität. Beide Vorhaben spiegeln die bundesweiten Bestrebungen wider, den Umstieg von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe voranzutreiben.
Die Gründung von Ecowerk und Ecowerk e-charge folgt einer strategischen Entscheidung der Stadtwerke Tübingen, durch spezialisierte Tochterunternehmen in neue Märkte vorzudringen. Kommunale Unternehmen bieten Vorteile wie wirtschaftliche Flexibilität, maßgeschneiderte Personal- und Vergütungsstrukturen, bessere Beschaffungskonditionen und größere rechtliche Handlungsspielräume. Diese Vorteile kommen auch Partnerschaften, Investitionen und der Wettbewerbsfähigkeit in wachsenden Branchen zugute.
Ecowerk e-charge hat klare Ziele für seinen Geschäftsbetrieb definiert: Das Unternehmen plant den Aufbau eines dichten Netzes öffentlicher Ladestationen im Tübinger Stadtzentrum, in den Konzessionsgebieten des Versorgers sowie in benachbarten Gemeinden. Die Nachfrage wird dabei die Standortplanung steuern. Neben dem öffentlichen Laden wird die Tochtergesellschaft eigene Tarifmodelle einführen, Ladelösungen für Unternehmen anbieten und Systeme für Wohngebäude entwickeln. Zudem tritt sie als Abrechnungsdienstleister für andere Betreiber von Ladestationen auf.
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur erfolgt vor dem Hintergrund des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG), das Netzbetreibern den Besitz oder Betrieb öffentlicher Ladestationen untersagt. Diese rechtliche Hürde hat Versorger wie die Stadtwerke Tübingen dazu veranlasst, eigenständige Gesellschaften zu gründen, um die Vorschriften einzuhalten und gleichzeitig die Elektromobilität zu fördern.
In Zweibrücken verfolgt die LSG einen ähnlichen Ansatz, allerdings als gemeinsames Projekt: Das Unternehmen, an dem die Stadtwerke Zweibrücken und sieben weitere regionale Versorger beteiligt sind, agiert als Charge Point Operator (CPO). Mit über 300 bereits in Betrieb genommenen Ladestationen treibt die LSG die Verkehrswende in der Pfalz voran.
Trotz der Fortschritte bleiben Herausforderungen bestehen. Sophie-Charlotte Knecht, geschäftsführende Gesellschafterin der LSG, verweist auf anhaltende Bedenken der Verbraucher – etwa bei der Reichweite von Batterien, den hohen Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge und der ungleichmäßigen Verteilung der Ladeinfrastruktur. Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen, entgegnet hingegen, dass Elektroautos über die gesamte Nutzungsdauer oft kostengünstiger seien als herkömmliche Fahrzeuge.
Die neuen Tochtergesellschaften und regionalen Kooperationen unterstreichen das wachsende Engagement für Elektromobilität in Süddeutschland. Während Ecowerk e-charge der Stadtwerke Tübingen den Infrastrukturausbau und Dienstleistungen vorantreibt, erweitert die LSG ihr Netz in der Pfalz. Beide Initiativen zielen darauf ab, Lücken in der Ladeinfrastruktur zu schließen und die Verbreitung von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen. Zwar haben gesetzliche Vorgaben den Handlungsspielraum der Versorger eingeschränkt – doch durch eigenständige Gesellschaften eröffnen sich nun Wege, um die steigende Nachfrage zu bedienen.






