Udo Kier – eine Filmlegende zwischen Glamour und Provokation stirbt mit 81 Jahren
Hans-Jürgen PeukertZum Tod von Udo Kier: Hollywoods deutscher Charmeur - Udo Kier – eine Filmlegende zwischen Glamour und Provokation stirbt mit 81 Jahren
Udo Kier, die deutsche Filmlegende mit markanter Schönheit und einer jahrzehntelangen Karriere, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Einst als einer der attraktivsten Männer Europas gefeiert, arbeitete er mit ikonischen Regisseuren zusammen und hinterlässt ein bleibendes Erbe im Kino.
Geboren im zerstörten Nachkriegs-Köln, überlebte Kier nur Stunden nach seiner Geburt verschüttet unter Trümmern. Seine Filmkarriere begann, als Rainer Werner Fassbinder ihn entdeckte – der Start einer langjährigen Zusammenarbeit. In den 1970er-Jahren galt er neben Alain Delon und Helmut Berger als Inbegriff europäischen Glamours.
Mit über 250 Filmen prägte Kier das Kino: von Andy Warhols Kultklassikern wie Fleisch für Frankenstein (1973) und Blut für Dracula (1974) bis zu Rollen unter Lars von Trier. Trotz seiner zarten Gesichtszüge spielte er mehrfach Adolf Hitler – eine bewusste Provokation, die jede äußerliche Ähnlichkeit ignorierte. Zu seinen späteren Werken zählte Schwanengesang (2021), ein persönlicher Lieblingsfilm, in dem er einen pensionierten Star-Friseur verkörperte. Jenseits der Leinwand posierte Kier 1992 in Steven Meisels provokantem Fotoband Sex an der Seite von Madonna und Naomi Campbell. Mit Anfang 50 mietete er sich für 3.000 Dollar im Monat ein Grab neben Cecil B. DeMille an – eine Geste, so theatralisch wie sein Leben. Kier sah sich selbst als Künstler und Kunstwerk zugleich; seine hypnotischen Augen und markanten Wangenknochen wurden Teil seiner Legende. Ob im Avantgarde-Film oder im Mainstream: Er blieb eine einzigartige Erscheinung.
Sein Tod markiert das Ende einer Ära für das europäische Kino. Mit seinem umfangreichen Werk, seinen mutigen Rollenentscheidungen und seiner kompromisslosen Selbstinszenierung festigt er seinen Status als Ikone. Die Branche verliert einen Darsteller, der die Grenze zwischen Schauspieler und lebendiger Kunst verwischte.