Weltpolitik im Sportstadion
Weltpolitik in der Turnhalle
Teaser: Beim deutschen Turnfinale fällt die Russin Melnikowa doch noch aus – angeblich aus Sicherheitsgründen. Der Israeli Dolgopyat darf laut Satzung antreten.
28. November 2025, 03:12 Uhr
Das Finale der Deutschen Turnliga steht in Heidelberg bevor, doch eine der wichtigsten Athletinnen wird fehlen: Angelina Melnikowa, die Olympische Mehrkampf-Championne von 2021, hat ihre Teilnahme aus Sicherheitsbedenken abgesagt. Ihr Ausfall könnte die Kräfteverhältnisse im eng umkämpften Finale zwischen dem MTV Stuttgart und dem Bündnis TSV Tittmoning-Chemnitz verschieben.
Die russische Turnerin, die beim SC Berlin unter Vertrag steht, war zunächst vom Internationalen Turnverband (FIG) als neutrale Athletin zugelassen worden – trotz umstrittenen Social-Media-Posts, in denen sie den Krieg in der Ukraine unterstützte. Auch die Deutsche Turnliga (DTL) gestattete ihren Start, da ihre Regeln die Teilnahme ausländischer Sportler unter bestimmten Bedingungen erlauben.
Doch ihr Verein entschied sich aus Vorsichtsgründen gegen ihren Einsatz. Ohne sie könnte der Wettbewerb offener werden. Der MTV Stuttgart, seit 2012 unangefochtener Serienmeister, dominiert die Liga zwar seit über einem Jahrzehnt, steckt aber derzeit in einem Trainer-Skandal. Derweil geht der TSV Tittmoning-Chemnitz als ungeschlagene Mannschaft ins Finale – mit vier Siegen in dieser Saison unter Trainerin Tatjana Bachmayer.
Ein weiterer prominenter Teilnehmer ist der israelische Turner Artem Dolgopyat, der für die TG Saar an den Start geht. Seine Teilnahme erfolgt, nachdem die FIG israelische Athlet:innen zuvor von den Weltmeisterschaften in Indonesien ausgeschlossen hatte. Dolgopyat erfüllt jedoch alle Voraussetzungen für das Bundesliga-Finale.
Das Finale findet ohne Melnikowa statt – und verändert damit die Dynamik des Wettbewerbs. Während der MTV Stuttgart seine lange Siegesserie fortsetzen will, strebt TSV Tittmoning-Chemnitz mit makelloser Bilanz den ersten Titel an. Gleichzeitig zeigt Dolgopyats Start die unterschiedlichen Richtlinien zwischen internationalen und nationalen Turnverbänden auf.