Wie Karsten Wöllner aus dem peinlichen Meme eine Diabetes-Aufklärung machte
Ludger RörrichtWie Karsten Wöllner aus dem peinlichen Meme eine Diabetes-Aufklärung machte
Karsten Wöllner – der Mann hinter dem viralen Meme "Was ist los mit Karsten?" – hat in einem neuen Interview seine Gedanken zu dem Vorfall geteilt. Die Szene, die 2007 in einer Fernsehsendung aufgenommen wurde, zeigt, wie er während einer Unterzuckerung gegen eine Wand läuft. Jahre später blickt er zurück, wie dieser Moment sein Leben prägte – und warum er sich wünscht, dass man damals anders damit umgegangen wäre.
Der Vorfall ereignete sich während der Dreharbeiten zur deutschen TV-Serie Wildes Wohnzimmer. Wöllner, der an Typ-1-Diabetes leidet, spürte kurz vor der Aufnahme, wie sein Blutzucker abfiel. Sein Körper "bremste plötzlich ab", doch der Aufprall an der Wand wurde von den Kameras festgehalten. Das Team reagierte schnell, versorgte ihn und sorgte dafür, dass er etwas aß, um seinen Blutzuckerspiegel zu stabilisieren.
Das Video entwickelte sich später zu einem weltweiten Meme – für Wöllner eine frustrierende Erfahrung. Besonders nervte es ihn, wenn Schüler die Szene nachahmten oder eine Gruppe junger Leute sich als Anwälte ausgab und die Löschung des Clips forderte. Mit der Zeit akzeptierte er, dass eine vollständige Entfernung kaum möglich – und juristisch viel zu aufwendig – war.
Statt gegen das Meme zu kämpfen, nutzte Wöllner schließlich Humor, um mit Diabetes-Klischees aufzuräumen. 2020 startete er den Podcast Diabetes Uncut sowie die Initiative Diabetes Real Talk, um über den Alltag mit der Krankheit zu sprechen. Heute bedauert er, die Reichweite des Memes nicht früher für Aufklärung genutzt zu haben. Ein Punkt bleibt jedoch ein Ärgernis: Er wünscht, die synchronisierte Fassung der Sendung hätte seinen medizinischen Zustand erklärt – das hätte die Wahrnehmung der Zuschauer verändert.
Mittlerweile hat Wöllner das Erbe des Memes in Engagement umgewandelt. Mit seinem Podcast und öffentlichen Vorträgen klärt er über Typ-1-Diabetes auf. Aus einer einst peinlichen Situation ist so der Ausgangspunkt für eine breitere Diskussion über die Krankheit geworden.






